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Gelassenheit made in Nigeria
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Trockenzeit

Eine Mischung aus Erstaunen und Besorgnis macht sich breit, wenn das Gespräch sich um meine Arbeit dreht. Die meisten kennen das mit ca. 140 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichste Land Afrikas eher von einer negativen Seite aus – wenn der Benzinpreis steigt, weil die Rohölproduktion auf Grund von Anschlägen im Nigerdelta gesunken ist.

Die Hauptstadt Abuja ist eine Tagesreise von den Krisenherden entfernt. Hier dreht sich nicht alles ums Öl, und so hatte ich die Gelegenheit an einem spannenden Projekt mitzuarbeiten. Die Aufgabe lautet „Überführung der Eigentümerinformationen aus den Grundbuchakten und der Grundstücke aus den Katasterinformationen in eine digitale Form“. Hinter dieser kurzen Beschreibung steckt eine Aufgabe, die neben den fachlichen auch eine ungeahnte Menge an technischen Herausforderungen in sich birgt.

Regenzeit

Das beginnt z.B. bei einer dürftigen Stromversorgung mit mehreren Stromausfällen pro Tag, die in einer IT-Umgebung erheblichen Schaden anrichten können – und hört bei kulturellen Unterschieden zwischen Europa und Afrika noch lange nicht auf. Man versucht natürlich, die eine oder andere Begebenheit zu verstehen, aber ab und zu fällt man trotzdem auf. „Wie? Es gibt bei euch keinen Stromausfall?“ – ich arbeite gerade intensiv an einem Rechner und erkläre einem Mitarbeiter die ersten Schritte in einem Geoinformationssystem, als der Strom ausfällt. Ich hebe natürlich sofort den Kopf in dieser für mich erst mal ungewöhnlichen Situation und stelle fest, dass ich der Einzige bin, der sich davon aufschrecken lässt. Alle anderen im Büro arbeiten dank unterbrechungsfreier Stromversorgung (USV) einfach weiter und stören sich nicht einmal am wilden Gepiepse der selbigen. Also merke ich: wenn man nicht gleich als Neuling, oder wie man in Nigeria sagt „new fish“ auffallen möchte: Nicht den Kopf heben, wenn der Strom ausfällt.

Magic Map

So konnte ich nach und nach fast das gesamte im Studium erlernte vielfältige Wissen anwenden. Geoinformationssysteme (GIS), Computerfachwissen, Bodenordnung, Stadtplanung, Landschaftsplanung, Kataster, Photogrammetrie (Luftbildauswertung), Schulungen usw. – alle diese Themen sind Teil einer umfassenden Ausbildung. Zu Beginn meines Studiums hätte ich mir im Traum nicht vorstellen können, dass ich mal in Afrika am Computer sitze und nebenbei noch eine Ausbildung in Generatortechnik und Notstromversorgung bekomme.

Arbeit im Büro

Es ist natürlich nicht jedermanns Sache, mit der Bedrohung durch Malaria in den Tropen zu arbeiten. Aber der Kontakt mit anderen Kulturen und die Nutzung des Wissens aus der Ausbildung in einer etwas anderen Umgebung kann sehr viel Spaß machen und mit etwas Humor kommt man um die ganze Welt. Mittlerweile arbeite ich wieder in Deutschland und versuche mein Praxiserfahrung mit der Wissenschaft an der Universität zu verknüpfen.

Christian Hickel

Kontakt:

Dipl.-Ing. Christian Hickel
TU Darmstadt – Geodätisches Institut
Fachgebiet Landmanagement
Petersenstr. 13
64287 Darmstadt
hickel@geod.tu-darmstadt.de

Kategorie: Grund & Boden - Tags:

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