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Buddhistische Stein-Inschriften in China
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Steininschriften bei Nacht

Für den chinesischen Buddhismus gilt die zweite Hälfte des sechsten Jahrhunderts als wichtige Phase. China war zu dieser Zeit in eine nördliche und eine südliche Dynastie geteilt. Unter der Zhou Dynastie des Nordens wurden buddhistische Mönche verfolgt; in dieser Region scheint der chinesische Buddhismus verschwunden zu sein. Unter großen Opfern übersetzten zur gleichen Zeit Mönche buddhistische Schriften aus Indien, dem Gründungsort dieser Religion. Aufgrund ihrer Verfolgung und des ihnen eigenen Wissens über Buddha und den Buddhismus begannen die Mönche damit, diese Informationen für die kommenden Generationen zu bewahren – und sie in Stein zu meißeln. Teils wurden die heiligen Texte in bis zu drei Meter hohen Buchstaben in Natursteine geritzt, teils in Stelen und manchmal auch in Architektur-Details von Höhlentempeln. Hier finden sich bis zu zwei Zentimeter kleine Inschriften.

Valley HondingshanDiamond SutraArten der Vermessung

Aufgabe dieses Projektes ist die Untersuchung, kartografische Dokumentation und Vermessung sämtlicher wichtiger buddhistischer Steininschriften der zweiten Hälfte des sechsten Jahrhunderts innerhalb ganz Chinas. Eine der Schlüsselaufgaben dabei sind die präzise Lokalisierung Inschriftenorte, sowie die Positionierung und Dimensionierung der Schriften selbst. Als weitere wichtige Aufgabe gilt die Dokumentation historischer Informationen in Datenbanken, die mit 2-D bzw. 3D-Daten verknüpft werden. Die Messungen sind für die globale Position GPS-gestützt. Um sämtliche Forschungsgebiete miteinander in einem System zu vernetzen, kommen neben den GPS-Messungen auch topografische Aufnahmen mittels Totalstation sowie die Nahbereichs-Photogrammetrie für die Inschrifen an sich zum Einsatz.

PhotogrametryReconstruction Valley HondingshanReconstruction Valley Hondingshan 2

Nach dem jahrelangen Datensammeln im Feld entstehen jetzt Karten und 3D-Modelle. Diese Karten und Modelle sind als zusätzliche Hilfe für das Studium aller derjenigen Inschriften gedacht, die als regelrechtes aufeinander bezogenes Netzwerk fungieren. Für Kunsthistoriker von Interesse sind die geometrische Form der Inschriften, ihr exakter Abstand voneinander, ihre Lage sowie viele weitere Informationen, die sich aus den Messungen ergeben. Die daraus entstehenden, vielfältigen Forschungsergebnisse der Kunsthistoriker sollen wiederum als riesige Datenbanken mit dem Kartenmaterial sowie den 3D-Modellen verknüpft werden. Auf diese Weise sollen Einträge zu jedem einzelnen Fundort möglich werden, die sowohl geografische als auch geometrische Informationen zu den jeweiligen Steininschriften beinhalten. Das Projekt ist auf 15 Jahre angelegt und befindet sich aktuell im fünften Jahr.

Kategorie: Technik & Industrie - Tags:

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