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Mit dem Absolutgravimeter in Skandinavien

Absolutgravimeter in Kisten gepackt

Seit 2003 arbeite ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Erdmessung der Leibniz Universität Hannover an einem Projekt, das sich mit der Vermessung der nacheiszeitlichen Landhebung in Fennoskadien befasst. Denn das Land hebt sich seit der letzen Eiszeit heute noch um etwa 1 Meter in 100 Jahren im Landhebungszentrum, das sich im Norden des Bottnischen Meerbusens befindet. So tauchen Inseln und Klippen auf, Seen und Flüsse versumpfen und an den Küsten werden Strandlinien sichtbar. Finnlands Festland gewinnt durch die Landhebung täglich etwa 2 Hektar. Im Weltnaturerbegebiet „Höga Kusten“ in Schweden kann man mit 286 Metern über dem Meer die höchste sichtbare Küstenlinie der Welt auf dem Skuleberget finden.

Meine Aufgabe ist es, die Landhebung mittels Schweremessungen mit einem speziellen Instrument zu bestimmen, einem so genannten Absolutgravimeter. Solche Instrumente arbeiten nach dem Frei-Fall-Prinzip (Newton hatte damals schon entdeckt, als ihm ein Apfel auf den Kopf fiel, dass wegen der Erdanziehung alles nach unten fällt). Sie  sind sehr genau, empfindlich und messen im Nanobereich. Wir sind bisher die einzige Universität in Deutschland, die solch ein Instrument besitzt.

Von 2003 bis 2007 war ich jedes Jahr auf etwa fünf bis sieben Wochen langen Messkampagnen in Skandinavien: in Finnland, Schweden, Norwegen und Dänemark, um dort die Schweremessungen durchzuführen. In ganz Skandinavien sind etwa 46 Stationen verteilt, die speziell für Messungen mit einem Absolutgravimeter eingerichtet wurden. Viele der Stationen habe ich im Laufe der Jahre mehrfach besucht, denn durch die wiederholten Messungen lassen sich Änderungen bestimmen, die auf die Landhebung zurückzuführen sind. Und eine so genannte Stationsbestimmung dauert etwa vier bis fünf Tage…

Station mit GPS-Antenne - Auswertung der MessungenTypische Station mit GPS-Antenne und Innen-GravimeterOrte der Vermessung

Aber warum interessiert uns überhaupt die Landhebung in Skandinavien? Eigentlich ist sie doch schon bekannt, also wozu das Ganze? Der Grund ist Folgender: Seit 2002 umkreist die Satellitenmission GRACE unsere Erde. Die Zwillingssatelliten „Tom und Jerry“ verfolgen sich im Weltraum und registrieren großräumige Veränderungen auf unserem Planeten: z.B. das Abschmelzen der Polkappen, die Veränderung des Meeresspiegels und auch Grundwasserstandsänderungen. So wurden z.B. durch GRACE Verschiebungen der Erdkruste sichtbar, die wegen des Sumatraerdbebens in Südostasien im Jahr 2004 entstanden. Um jedoch die Ergebnisse der weit entfernten Satelliten sinnvoll zu bewerten, die für die gesamte Erde zur Verfügung stehen, müssen sie mit unabhängigen Messungen verglichen werden. Und dafür ist die Vermessung der Landhebung auf dem Boden und nicht nur vom Weltraum aus sinnvoll. Deswegen unterstützen die Messungen in Skandinavien, die ich in den letzten Jahren durchgeführt habe, die Satellitenmission.

KüstenlinieHoege Kusten in Schweden: See ist vom Meer getrennt und 1m über MeeresspiegelAbsolutgravimeter FG5 220

Die Kombination von Praxis und Theorie – Messkampagnen im Ausland und Arbeit im Büro – finde ich sehr gut. Dadurch gestaltet sich meine Tätigkeit sehr abwechslungsreich: Planung und Durchführung der jährlichen Schweremesskampagnen in Skandinavien, Auswertung, Analyse und Interpretation der Daten, Präsentation der Arbeiten auf internationalen Konferenzen. Besonders gefällt mir die Zusammenarbeit mit Institutionen aus der ganzen Welt.

Olga Gitlein

1 Comment to “Mit dem Absolutgravimeter in Skandinavien”

  1. Olav says:

    Spannend! Aber… war es nicht Newton, von dem man die Apfelgeschichte erzählt?