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Steinzeitliche Kultstätten in der Türkei

Michael Strubel mit Scanner

Die Tür des Flugzeugs öffnet sich und eine Wand aus Hitze stellt sich mir entgegen. Obwohl gerade die Sonne untergeht, sind es noch über 30 Grad. Ich bin gerade am Flughafen in Sanliurfa angekommen, einer Stadt im Südosten der Türkei. Ich werde mit meinem Gepäck in das Grabungshaus gebracht, das während der nächsten Wochen mein Zuhause sein wird.

Die Fahrt am nächsten Morgen zur Grabungsstätte ist wie immer ein Erlebnis. Noch ein wenig müde schaukeln die Archäologen und ich im Bus die Hügelkette hinauf, bis wir zusammen mit dem Sonnenaufgang am Göbekli Tepe ankommen. Der Göbekli Tepe ist ein Erdhügel auf einem Kalksteinplateau, in dem steinzeitliche Kultstätten vergraben liegen. Mit einem Alter von etwa 12.000 Jahren sind diese etwa 7.000 Jahre älter als beispielsweise Stonehenge, welches ja als das Steinzeitheiligtum schlechthin gilt. Hier aber, am Göbekli Tepe, wird Bedeutendes ausgegraben.

KreisanlageTeile des PfeilersRekonstruierter Pfeiler

Bis zu fünf Meter hohe Steinsäulen sind in kreisförmigen Anlagen mit bis zu 30 Metern Durchmesser angelegt worden. Die Säulen sind reich mit Tierreliefs und Symbolen verziert. All diese Funde sind, anders als die Steine von Stonehenge, in einem sehr guten Zustand, da sie die Jahrtausende unter der Erde geschützt überdauert haben. Werden sie nun ausgegraben, fällt dieser Schutz weg. Es gilt also die Funde zu dokumentieren oder zu konservieren.

Für eine digitale Konservierung habe ich einen Laserscanner unserer Hochschule mitgebracht. Mit ihm ist es möglich, ein Objekt nahezu jeder Größe extrem genau zu vermessen. Der Scanner erzeugt ein dreidimensionales, digitales Modell des Objekts, welches später im Computer betrachtet und vermessen werden kann. Die Genauigkeit der Messungen liegt dabei im Zehntel-Millimeter-Bereich. Die digitalen Modelle können später auch dazu verwendet werden, Modelle aus Kunststoff oder Stein zu produzieren. Diese Modelle können so groß sein wie die originalen Säulen, aber auch eine kleine Nachbildung als Souvenir für Touristen ist denkbar.

Natürlich gibt es auch Säulen, die beschädigt wurden. Mit einer solchen habe ich mich in meiner Diplomarbeit besonders beschäftigt. Ich habe alle Bruchstücke des Pfeilers gescannt um sie später am Computer zusammenzusetzen.

Laserscanner auf StativSonnenaufgang am Goebekli TepeVollmond über Sanliurfa

Nach einigen Wochen Arbeit fliege ich mit dem guten Gefühl nach Hause, etwas Bedeutendes für die Nachwelt konserviert zu haben. Jetzt beginnt die Arbeit am Computer. Alle gescannten Teile müssen nun einzeln weiterbearbeitet werden, erst dann kann ich die Stücke zusammensetzen. Dazu muss man natürlich, wie bei einem großen Puzzle, die ganzen Bruchflächen vergleichen, um zu schauen, welche Stücke zusammenpassen. Die echten Bruchstücke zusammenzusetzen wäre kaum möglich, denn im Gesamten wiegt der zerbrochene Pfeiler etwa zehn Tonnen.

Leider wurden von dem Pfeiler nicht alle Teile gefunden, so dass im fertigen Modell ein paar Lücken sind. Trotzdem kann man gut sehen, wie der Pfeiler vor tausenden von Jahren ausgesehen hat. Vielleicht wird er eines Tages als Nachbildung in der Grabungsstätte oder in einem Museum zu sehen sein.

Die noch recht junge Technik des Laserscannings wird in Zukunft sicher noch häufiger eingesetzt werden, und es warten noch viele spannende Aufgaben auf meine Nachfolger, am Göbekli Tepe und überall auf der Welt.

1 Comment to “Steinzeitliche Kultstätten in der Türkei”

  1. Judith says:

    Freut mich , dass du mit einem so “guten Gefühl [...], etwas Bedeutendes für die Nachwelt konserviert zu haben” nach Hause fliegen konntest. War sicher ne tolle Zeit!