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GEO Siberia 2010
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Ab 2.15 Uhr ging es der Sonne entgegen nach Nowosibirsk. Der Flieger landete um 9 Uhr Ortszeit. In der Empfangshalle wartete bereits Katja, die an diesem Morgen nicht nur mich vom Flughafen abholt, sondern noch 4 weitere Kollegen aus Sachsen. So fuhren wir nach einem herzlichen Empfang zum Studentenwohnheim welches sich unmittelbar in der Nähe der Metro-Station „Gagarinka“ befindet. Nach einer kleinen Einführung in Nowosibirsk und einer Stärkung mit KWAS (Erfrischungsgetränk aus vergorenem Brot) ist es nun möglich nach 30 h ohne Schlaf für 2 Stunden die Augen zu schließen, bevor wir uns um 20:00 in die Innenstadt begeben um uns dort für die Nacht zu stärken. Man kann es kaum glauben aber in dieser wüstenartigen Stadt strömen die Menschen auf die Straße um spazieren zu gehen. Die einzigen, die Feierabend haben sind die schneeschippenden Männer vom Vormittag. Ja genau, es ist sehr staubig und trotzdem liegt bei 30° Außentemperatur Schnee im Schatten! Weil im Winter mit feinkörnigem Sand gestreut wird, bleibt dieser bis zum Frühjahr liegen und die Stadt gleicht einer Wüste.
Einer neuer Tag, der damit beginnt, dass wir mit den zusätzlichen Teilnehmern bekannt gemacht wurden, die jedoch nicht im Studentenwohnheim untergebracht wurden sondern dem Hotel Sibir, welches sich in der Nähe des Hauptbahnhofes befindet. Die Exkursion führt uns über mehrere Stationen an den Fluss „Ob“, der quer durch die Stadt läuft und diese in zwei Hälften teilt. Bei 25° Außentemperatur fließen Eisschollen durch den Fluss. Diese haben bereits einen langen Weg hinter sich und sind trotzdem noch nicht vollständig geschmolzen. Im Gesteinsmuseum, mit deutschsprachiger Führung, wurden wir darüber aufgeklärt, dass man in der Russischen Föderation das Benzin frisch aus der Erde tanken kann, da das Öl so rein ist. Abschließend besuchten wir in der sengenden Aprilhitze ein Eisenbahnmuseum. Unglaublich, diese riesigen Stahlkolosse, die einmal ihren Weg quer durch Russland bestritten haben und nun ihre Andacht in einem Freilichtmuseum erhalten. Die Unterschiede zwischen der 1. und der 5. Klasse sind signifikant. Wohingegen man in der ersten Klasse ein eigenes Zimmer mit DU/ WC hat gibt es in der 5. Klasse nur Holzbänke.

ObLeninBüro

Der erste Messetag. Alles was Rang und Namen hat ist anwesend, um die Eröffnung der GEO Siberia 2010 gebührend zu feiern. Neben zahlreichen Eröffnungsreden, die jeweils ins russische, deutsche und englische übersetzt werden, werden auch Ehrenprofessuren verteilt. Der Tag gestaltet sich so, dass verschiedene Fachvorträge gehalten werden, die über den Tellerrand der Geodäsie und Geoinformatik hinweg gehen. Bekannte Firmen wie Trimble oder Leica sind auch in der Messehalle vertreten und werden durch Kurzrock- und Stökelschuhtragende russische Frauen repräsentiert. Die ausstellenden Geräte entsprechen nicht unbedingt den heutigen Standards. So ist beispielsweise der Mensi Scanner bei Trimble zu finden, der lediglich mit gelber Farbe angemalt wurde, da Trimble die Firma Mensi aufgekauft hat. Bei einem späteren Bankett habe ich die große Ehre neben der Generalkonsulin Frau Steinacker zu sitzen, die man vielleicht schon einmal im Fernsehen gesehen hat, als sie noch im EU Parlament gearbeitet hat. Diesem Zufall nicht genüg, sitzt sogar der DVW Vizepräsident Herr Rek mit am Tisch. Bei einem Drei-gänge-Menü und „Altai Vodka“ konnte ausgiebig gefeiert werden.

FlussWettkampfNachtleben

Am zweiten Messetag füllt sich die Halle gegen 10:00 Uhr mit Besuchern, die sich über die Technologie im Vermessungswesen und Maschinenbau informieren wollen. Vorträge mit dem Themenschwerpunkt „Early Warning“ werden im 20min Takt gehalten, wobei dem Vortragende nur 10 Minuten zur Verfügung stehen, da die restlichen 10 Minuten zum übersetzen verwendet werden. Auffällig bei den Vorträgen ist, dass die russischen Präsentationen sehr textlastig und grafische Darstellungen stiefmütterlich untergebracht sind. Bei den Präsentationen deutscher Professoren werden die Folien trotz anschließender Veröffentlichung reihenweise abfotografiert. Mein persönliches Interesse gilt heute dem Stand der Hochschule. Da ich mich besonders für den Bereich Laserscanning interessiere habe ich mich nach vielen Gesprächen spontan dafür entschieden, im Sommer ein 3 monatiges Praktikum im hauseigenen Labor zu machen.

Am letzten Tag der GEO-Siberia finden kaum noch Besucher den Eingang. Zahlreiche Urkunden werden an die aktiven Teilnehmer verteilt und die Messe neigt sich gegen 14:00 dem Ende. Vorher jedoch gibt es eine Exkursion zum Grundbuchamt. Der Chef persönlich lädt uns zu einem Rundgang mit ausführlicher Erklärung über die Russische Bürokratie ein. Im Gegensatz zum deutschen System benötigt man beim Grundstücksverkauf keinen Notar. Wenn sich Käufer und Verkäufer einig sind, erfolgt der Eigentumsübergang nach 22 Tagen Bearbeitungszeit. Das System gleicht dem in Frankreich. Der Tag schließt mit einem deftigen Essen in der Akademie ab und ab ca. 20:00 geht es zurück ins Studentenwohnheim.

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