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3D-Modell für das UNESCO-Weltkulturerbe in Bisotun

Im Rahmen des Kooperationsabkommens zwischen der Beuth Hochschule für Technik Berlin und dem Bisotun Cultural Heritage Center sollte die Topographie bzw. Geometrie des Berges von Bisotun untersucht werden. An diesem Berg befindet sich das Relief von Darius I., welches die Geschichte seiner Inthronisierung darlegt. Im Jahr 2006 wurde dieses Relief in die Weltkulturerbe Liste der UNESCO aufgenommen. Im Rahmen der Arbeiten wurde ein Teil des Berges im Bereich des Reliefs photogrammetrisch vermessen und eine Modellierung angefertigt. Der Berg von Bisotun befindet sich in der iranischen Provinz Kermansh?h im Westiran. Aus ungefähr 30 km Entfernung lässt sich dieser 1000 Meter steile, fast senkrecht über die Ebene ragende Berg schon erkennen. Er bildet den Abschluss einer nach Süden ragenden Kette des Zagrosgebirges. Ziel der Bachelorarbeit von mir, Markus Lachmann, Christoph Sandner und Benno Witta war es zusätzlich, den geografischen Zusammenhang des Reliefs zu untersuchen.

Die Vermessungsarbeiten in Bisotun wurden mit einer Zeitspanne von vier Wochen geplant und im Zeitraum vom 13. September 2009 bis 11.Oktober 2009 durchgeführt. Bei der Durchführung der Arbeiten waren wir alle vier vor Ort. Mit der logistischen Unterstützung und fachlichen Hilfe durch das Ingenieurbüro GILAN konnten Vermessungsarbeiten im Iran durchgeführt und damit die Grundlage für die spätere Auswertung in Berlin geschaffen werden.

Mit der Verwendung von handelsüblichen Spiegelreflexkameras konnte eine kostengünstige Lösung gefunden werden. Im Gegensatz zu klassischen Vermessungsverfahren ermöglichte dieses Vorgehen die Gewinnung einer großen Menge objektrelevanter Daten in kürzester Zeit.
Als Genauigkeitsvorgabe wurde diesem Projekt mit einer Punktgenauigkeit von 5 cm ein realistisches Ziel vorgegeben. Danach war es möglich, die Aufnahmekonstellationen mit mehreren Aufnahmelinien zu planen, um einerseits Stereoaufnahmen möglichst im Normalfall zu erhalten. Andererseits waren weitere Aufnahmen für die Mehrbildphotogrammetrie notwendig. Die Grundlage der Ergebnisse aller Vermessungsverfahren lag in der Genauigkeit des errichteten Festpunktfeldes. Nach der Ausgleichung der Beobachtungen wurde letztendlich eine Genauigkeit von einem Zentimeter in der Lage und drei Zentimetern in der Höhe erzielt. Die ungünstige Netzgeometrie und die unzureichende Vermessungsausrüstung ließ eine höhere Genauigkeit nicht zu. Das Ergebnis ist jedoch für die Zielstellung ausreichend.

Die Auswertung der Aufnahmen wurde sowohl nach dem Verfahren der Mehrbildphotogrammetrie als auch mittels Stereophotogrammetrie durchgeführt. Eine unabhängige Orientierung beider Aufnahmekonstellationen war nicht direkt möglich. Die Bündelblockausgleichung der Mehrbildphotogrammetrie mit PICTRAN diente deshalb als Basis für die Stereo-Orientierung mit dem Programm LPS. Trotzdem mussten noch viele Probleme im Rahmen der Stereoauswertung, mit dem für die Luftbildphotogrammetrie konzipierten Programm LPS, durch Vermessungsarbeiten mit dem Trimble 3602 Lösungsansätze überwunden werden. Aufgrund der teilweise noch zu ungünstigen Aufnahmekonstellation und der Struktur des Berges konnte zunächst ein digitales Geländemodell nur für Teilgebiete erstellt werden. Eine Aussage über die erreichte Genauigkeit war im unteren Teil des Berges durch geodätisch gemessene Objektpunkte möglich. Eine unabhängige Kontrolle für den Rest des Berges fehlt noch. Der mittlere Punktfehler für den unteren Bereich war mit zwei bis drei Zentimetern als sehr gut einzustufen. Eine Veränderung der Aufnahmegeometrie, sowie die Verknüpfung mit luftgestützten Verfahren (Luftbildmessung, Airborne Laserscanning), würden eine bessere Modellierung des Berges von Bisotun ermöglichen.

Am Schluß noch eine mögliche Antwort auf die Frage, warum das Relief gerade hier geschaffen wurde. Ein Zusammenhang zwischen den geografischen Besonderheiten und den historischen Hintergründen ist nicht eindeutig herstellbar. Die Darstellung von Darius I. am Relief von Bisotun und die Blickrichtung des Reliefs genau nach Osten stehen in Zusammenhang zu einander. König Darius, der „von der aufgehenden Sonne erwählt wird“, lässt die Darstellung seiner Inthronisierung genau an dieser Stelle am Berg anbringen, um den Bezug zur aufgehenden Sonne im Osten zu verdeutlichen.

Die interdisziplinäre Arbeit dieses Projektes brachte in Hinblick auf wissenschaftliches Arbeiten viele Erfahrungen und vor allem das selbständige Arbeiten in einem fremden Land war sehr lehrreich.

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