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Teilnahme am Kongress der EGU
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Ich bin im Masterstudiengang „Geodäsie und Geoinformatik” an der Leibniz Universität Hannover eingeschrieben. Einige Freunde, die bereits promoviert haben oder gerade dabei sind, erzählen öfters von ihrer Teilnahme an Konferenzen und Kongressen und daher wollte ich mehr über den wissen-schaftlichen Betrieb lernen. Darum nahm ich vom 3. bis 8. April 2011 an der Generalversammlung der EGU (European Geosciences Union) in Wien teil. Die EGU ist eine interdisziplinäre wissenschaftliche Gesellschaft für Personen, die im Bereich der Geowissenschaften (und somit auch der Geodäsie), der Luft- und Raumfahrt und der Planetenwissenschaften arbeiten. Ziel der EGU ist die Förderung der Geowissenschaften und der Kooperation zwischen Wissenschaftlern/-innen aus aller Welt.

Es war mein erster Kongress dieser Art und ich war überwältigt von der Größe der Veranstaltung und dem Angebot an Vorträgen und Postern. Es nahmen über 10.700 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus 96 Ländern teil, die meisten aus Deutschland und Frankreich. Der Studierendenanteil lag bei 28%. Die Themen waren in über 20 wissenschaftliche und interdisziplinäre Programmgruppen gegliedert, diese waren wiederum in über 700 Sessions mit spezielleren Themen unterteilt. Zu jeder Session gab es sechs bis zehn Vorträge. Insgesamt wurden mehr als 4300 Vorträge gehalten und knapp 8500 Poster ausgestellt, und das alles innerhalb von fünf Tagen. Außerdem gab es viele Aussteller, beispielsweise die ESA (European Space Agency) und die AGU (American Physical Union), die über ihre Firma/Institution informierten und Werbegeschenke verteilten.

Ich hatte erwartet, dass auf einem Kongress alle Anzug und Kostüm trage würden und war doch etwas erstaunt, dass die allermeisten in Jeans und T-Shirt gekleidet waren.

Die Generalversammlung fand im Austria Center Vienna, einem riesigen mehrstöckigen Kongressgebäude, statt. Trotz Beschilderung konnte man sich, auch als Geodätin, auf der Suche nach Räumen und Hallen leicht verlaufen. Sowieso musste man sich gut organisieren, um bei dem großen Angebot nicht den Überblick zu verlieren. Bei der Registrierung erhielt man einen USB-Stick mit allen Abstracts (Kurzzusammenfassungen) zu den Vorträgen und Postern. Bei der Planung half das Kongressbuch “EGU Today”, es standen aber auch überall Computer, an denen man sich über das Programm informieren konnte. Es war sehr hilfreich, sich einen Stundenplan zu erstellen um möglichst viel mitzunehmen und nichts zu verpassen.

Unter den Vortragenden waren auch einige berühmte Wissenschaftler wie beispielsweise der Geophysiker William Richard Peltier, der sehr genaue Modelle der Erdoberfläche und der Eisverteilung auf der Erde entwickelt hat. Besonders spannend fand ich persönlich die Sessions „Glacial Isostatic Adjustment on regional scales: Modeling and observations” und „Satellite Gravimetry: GRACE, GOCE and Future Mission“. Über das Tohoku-Erdbeben und den folgenden Tsunami am 11. März 2011 gab es eine Last-Minute-Session, zu der auch Wissenschaftler aus Japan, unter anderem vom Earthquake Research Institute in Tokyo, anreisten.

Die EGU bietet für junge Wissenschaftler/-innen eine gute Gelegenheit, ihre Arbeit vorzustellen und ihre Ideen mit Experten/-innen aus allen Bereichen der Geowissenschaften zu diskutieren. Diese Gelegenheit habe ich ergriffen und einen Abstract über meine Bachelorarbeit geschrieben sowie ein Poster angefertigt. Thematisch gehörte meine Arbeit zu der Programmgruppe “Natural Hazards” und der Session “Landslide hazard and risk assessment, and landslide management”. An dem Tag, an dem die eigene Session stattfindet, hängt das Poster in einer der vier großen Hallen an dem zuvor zugewiesenen Board. Ich hatte mich für den “Outstanding Student Poster Contest” (OSP) angemeldet, ein Wettbewerb, an dem junge Wissenschaftler/-innen, die Erstautor/-in von einem Poster sind, teilnehmen können. Die Kriterien für diesen Preis sind die wissenschaftliche Qualität, das Posterdesign und die Fähigkeit, Fragen zu beantworten. In der neunzig minütigen Postersession, bei der ich bei meinem Poster stehen musste, sahen sich mehrere Studierende und auch einige Wissenschaftler mein Poster an und stellten Fragen zu meiner Arbeit. Diese Gespräche waren sehr interessant und beide Seiten lernten etwas dabei.

Interessant war für mich eine Infoveranstaltung des Earth Science Women’s Network (ESWN). Ziel dieses Netzwerkes für Frauen in den Erdwissenschaften ist die Beratung unter Gleichgestellten, die Förderung von Karrieren und Unterstützung bei Problemen jeglicher Art.

Da ein Hotel sehr teuer ist, teilte ich mir mit drei Freunden/-innen eine Ferienwohnung in der Nähe des Kongresszentrums. Abends gingen wir oft zusammen essen und auch tagsüber konnte man sich, wenn gerade keine interessante Session stattfand, für zwei, drei Stunden die Stadt anschauen.
Die Teilnahme an der Generalversammlung der EGU war eine tolle Erfahrung für mich und ich habe einen Einblick in das wissenschaftliche Leben erhalten können. Auch das Feedback über meine Bachelorarbeit war hilfreich. Zusätzlich habe ich über das Anfertigen von Postern und das Präsentieren einiges gelernt. Da die Kongresssprache Englisch ist, ist das eine gute Gelegenheit, wieder einmal Englisch zu sprechen. Nebenbei lernt man noch den einen oder anderen fachspezifischen Ausdruck.

Auch nächstes Jahr findet die EGU in Wien statt und ich habe vor, wieder daran teilzunehmen. Ich kann allen nur empfehlen, an einer Veranstaltung wie der EGU teilzunehmen, auch wenn noch nicht klar ist, ob man in die Forschung möchte. Es ist eine einzigartige Gelegenheit, mit Wissenschaftler/-innen aus so vielen Bereichen zu sprechen. Dadurch ergeben sich oft Wege, die einem davor nicht klar waren.

Kategorie: Klima & Umwelt -

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