Ich bin Student im Masterstudiengang Geomatics an der Hochschule Karlsruhe. Zum Abschluss meines Studiums zog es mich in die vereinigten Staaten von Amerika, um dort an einer Partnerhochschule, dem Department of Geography der University of Colorado in Boulder meine Masterthesis zu schreiben.
Während meines Studiums hatte ich mich bereits in GIS und GIS-Programmierung / -Scripting vertieft und hatte nun die Möglichkeit, meine Fähigkeiten im Bereich der Humangeographie anzuwenden. Meine Thesis trägt den Namen „Limiting and Related Variables for Dasymetric Analysis of U.S. Census Demography” und ist eingegliedert in ein Forschungsprojekt der dortigen Universität, bei dem versucht wird, die von der Regierung freigegebenen Zensusdaten, welche nur eine recht grobe räumliche Auflösung besitzen, räumlich zu verfeinern. Zensusdaten sind sozio-ökonomische Bevölkerungsdaten, die von der Regierung anhand von Umfragen für sämtliche US-Haushalte erhoben werden. Aus Datenschutzgründen werden diese jedoch lediglich als Durchschnittswerte (z.B. mittleres Einkommen) bezogen auf größere geographische Einheiten herausgegeben. Dasymetrische Modellierung ist eine kartographische Technik, mit welcher diese auf eine bestimmte geographische Einheit bezogenen Variablen verfeinert werden können, indem man Hilfsvariablen verwendet, z.B. Fernerkundungsdaten. Die bearbeiteten sozio-ökonomischen Variablen können Einkommen, Herkunft, Ethnizität oder Kinderzahl u.v.m. umfassen. Somit bekam ich durch diese Arbeit einen guten Einblick in die Arbeitsweise von Geographen sowie in die aktuellen sozio-ökonomischen Trends der US-amerikanischen Gesellschaft, was besonders aufgrund rezenter Einwanderungsströme aus Lateinamerika und der daraus resultierenden großen Hispanics-Minderheit besonders interessant ist. Es handelt sich bei meiner Thesis um eine methodologische Arbeit, die aufzeigen soll, ob und wie die geplante Verfeinerung von Zensusdaten möglich ist. Die Umsetzung erfolgte durch eine Reihe von Python-Skripten und den ArcGIS-Geoprocessing-Werkzeugen. Die Betreuung der Thesis durch zwei freundliche Professoren war hervorragend, da Fortschritte und Probleme in wöchentlichen Treffen diskutiert werden konnten.
Das Umfeld für die Erstellung einer Thesis war hervorragend. Die moderne Universität befindet sich in der Universitätsstadt Boulder, die 100.000 Einwohner hat und sich am Fuße der Rocky Mountains befindet. Ich arbeitete in einem GIS-Labor mit anderen Master- und PhD-Studenten im historischen Gebäude des Departments of Geography. Vom Fenster des Labors sieht man bereits die imposanten Felsformationen der Rocky Mountains. Die Nähe zum Gebirge bringt natürlich einiges an Freizeitmöglichkeiten mit sich, z.B. Skifahren im bis zu 4.000m hohen Skigebiet „Winter Park“ oder Wanderungen im Gebirgsort Aspen oder in der Nähe von Boulder. Auch für einen Kurztrip ins kalifornische San Francisco fand sich Zeit, ebenso wie ein Camping-Trip in den wüstenhaften Nachbarstaat Utah, wo sich gleich mehrere interessante Nationalparks befinden und schroffe Canyons und Tafelberge zum Wandern einladen. Nach fünfmonatiger Arbeit konnte ich schließlich die Thesis erfolgreich abschließen. Den Schlusspunkt setzte eine Abschlusspräsentation vor den betreuenden Professoren und interessierten Mitstudenten.
Da nach getaner Arbeit noch 5 Wochen Zeit waren, nutzte ich die Gelegenheit für eine fünfwöchige Rucksackreise durch Mexiko und Teile Zentralamerikas, wo ich auf den Spuren der Maya unterwegs war und tolle Kolonialstädte, dichten Dschungel, aktive Vulkane und Traumstrände besuchen konnte.
Alles in allem bot mir dieser Auslandsaufenthalt eine tolle Möglichkeit, um mein Englisch zu verbessern, meine fachlichen Kompetenzen zu erweitern und viel über Land und Leute in Amerika zu erfahren. Dank der kompetenten und freundlichen Betreuung an der University of Colorado kann ich einen solchen Auslandsaufenthalt zur Anfertigung einer Masterthesis nur weiterempfehlen.


