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SOFIA-Projekt in Zusammenarbeit mit der NASA (1)

Ich hatte die einmalige Chance während meiner Diplomarbeit mit dem Titel „Orientierungsbestimmung für das SOFIA-Teleskop“ für ein halbes Jahr in die USA zu gehen und an einem wissenschaftlichen Projekt der NASA mitzuarbeiten. Dabei konnte ich außerdem viele schöne Eindrücke und Erfahrungen sammeln und Land und Leute kennenlernen.

Vorbereitungen

Im Frühling 2010 entdeckte ich am Schwarzen Brett des Instituts für Ingenieurgeodäsie der Universität Stuttgart einen Aushang für eine Diplomarbeit, bei der es darum ging, die Orientierung für das SOFIA-Teleskop zu bestimmen. Zunächst konnte ich damit nichts anfangen, aber die Abschnitte „in Kooperation mit der NASA“ und „ein Teil der Arbeit ist in den USA durchzuführen“ weckten meine Neugierde. Schon während meines Studiums spielte ich immer mit dem Gedanken für eine Weile ins Ausland zu gehen, also sah ich diese Diplomarbeit als meine letzte Chance vor dem Einstieg ins Berufsleben.

SOFIA, das Stratosphären Observatorium für Infrarotastronomie, ist ein einzigartiges Gemeinschaftsprojekt des Deutschen Zentrums für Luft-und Raumfahrt (DLR), des Deutschen SOFIA Instituts (DSI) und der US-amerikanischen National Aeronautics and Space Administration (NASA). Bei der fliegenden Sternwarte handelt es sich um eine umgebaute Boeing 747SP, in die ein Spiegelteleskop mit einem Durchmesser von 2.7 m eingebaut wurde. Das Teleskop kann verschiedene wissenschaftliche Instrumente tragen und gelangt durch das Flugzeug auf eine Höhe von 13-14 km, wo nahezu kein störendender Wasserdampf der Atmosphäre die Infrarotstrahlung abschwächt.

Messung auf dem Vorfeld von SOFIAMit anderen Studenten bei nächtlichen Aufzeichnungen von SOFIANetzverdichtung mit dem Theodolit

Die Boeing 747SP ist in der Regel in einem Hangar der NASA in Palmdale, Kalifornien untergebracht. Um die Orientierung des Teleskops und der eingebauten Kreisel ohne Hilfe der Sterne bestimmen zu können, sollte ich im Rahmen der Diplomarbeit ein Festpunktfeld mit globalen Koordinaten um und vor allem im Hangar anlegen. Außerdem bestand meine Aufgabe darin eine Prozedur zu entwickeln, die es nicht-geodätisch geschultem Personal ermöglicht die Orientierung des Teleskops relativ zu geographisch Nord selbstständig zu bestimmen. Noch in Deutschland begann ich ein Konzept für das Festpunktfeld zu entwickeln und die GPS-Empfänger auszuprobieren. Da im näheren Umfeld des NASA-Geländes in Palmdale leider keine hochgenauen, bekannten Festpunkte vorhanden waren, musste zunächst ein Netz mittels statischem GPS um den Hangar herum angelegt werden.
Neben der Planung und Simulation der ersten Messungen in Palmdale galt es noch einiges für den halbjährigen Aufenthalt in den USA zu organisieren. Ein Visum zu bekommen und einen günstigen Flug zu buchen, stellte dabei das kleinste Problem dar. Großes Kopfzerbrechen bereitete mir neben der Finanzierung vor allem die Suche einer Unterkunft und eines Autos. Hilfe bekam ich von einer Studentin, die ebenfalls ihre Diplomarbeit in Palmdale geschrieben hatte. Sie nahm mir gleich die Illusion, ich könnte in Amerika Fahrrad fahren oder öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Da sich Palmdale, wie die meisten Städte an der amerikanischen Westküste über eine riesige Fläche erstreckt und es nur einige wenige Buslinien gibt, ist es dort nahezu unmöglich sich ohne Auto fortzubewegen oder einen Supermarkt zu erreichen. Ich hatte schließlich das Glück ein Auto günstig von einem ehemaligen Mitarbeiter der NASA zu mieten. So war zumindest das Problem der Fortbewegung vor meinem Abflug geklärt. Offen blieb die Zimmersuche, die ich vor Ort in Angriff nehmen wollte.

Am 25. Oktober 2010 war alles für das große Abenteuer bereit. Ich flog von Stuttgart über London nach Los Angeles. Gerade angekommen bekam ich gleich meinen neuen, zuverlässigen Begleiter, einen Buick Regal Baujahr 1999 und durfte mich als erstes an das Verkehrssystem und die amerikanische Fahrweise gewöhnen. Zwar sind die Geschwindigkeiten mit maximal 70 Meilen/h (113 km/h) auf den Highways deutlich geringer im Vergleich zu Deutschland, allerdings scheinen viele kalifornische Autofahrer nicht zu wissen, dass sie einen Blinker besitzen und wechseln die Spuren ohne Vorwarnung. Anfangs hatte ich auch mit den zahlreichen Fahrspuren zu kämpfen, da man um eine Ausfahrt zu erwischen manchmal fünf bis sechs Spuren in ein paar Sekunden wechseln musste. Nach wenigen Tagen allerdings wurde es schnell zur Routine und ich stellte fest, dass das kalifornische System auch seine Vorteile hat und man viel entspannter Reisen kann. So gibt es zum Beispiel kaum Drängler auf den Highways und es werden immer Lücken zum Einordnen gelassen. Außerdem gibt es die Regeln, dass man sowohl links als auch rechts überholen und an fast allen Ampeln bei rot rechts abbiegen darf. Die beste Einrichtung ist meiner Meinung nach die „Carpool Lane“, eine Fahrspur, die nur Autos mit mindestens zwei Fahrgästen verwenden dürfen. Sie soll die Amerikaner zur Gründung von Fahrgemeinschaften ermuntern, um dem täglichen Verkehrschaos im Großraum von Los Angeles zu entgehen.

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