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Mit einem Metalldetektor unterwegs in Toronto
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Im 5.Semester war in meinem Studium ein Praxissemester eingeplant. Diese Möglichkeit habe ich dazu genutzt ins Ausland zu gehen. Nach unzähligen Bewerbungen ging es im August 2011 los – nach Kanada!!! 6 Monate lang habe ich in Toronto für Rouse Surveyors Inc., ein kleines privates Vermessungsbüro mitten in Downtown, gearbeitet. In dieser Zeit habe ich sämtliche Aufgaben eines „Land Surveyors“ kennen gelernt und erlernt. Trotz ähnlicher Aufträge war meine Arbeit stets abwechslungsreich.

Die meiste Zeit habe ich im Feld verbracht, wodurch ich in der ganzen Stadt herumgekommen bin. Im Büro war ich meist an Regentagen (Vermesser arbeiten hier nicht im Regen – zumindest nicht in Toronto). Zu den Hauptaufgaben gehörten topographische Aufnahmen und Grenzbestimmungen. Mit einem Metalldetektor („Barfinder“) spürten wir zunächst existierende Grenzmarkierungen auf (Eisenstangen in versch. Formen und Größen). Oft gibt es auch nur in den Gehweg gesägte Kreuze, die meist nicht von langer Dauer sind. Mit einem Leica Viva GPS und einem Leica Tachymeter nahmen wir Punkte in der Regel reflektorlos auf. Eine Funktion, die ich schnell zu schätzen gelernt habe. Um die Grenzen bestimmen zu können, musste man meist Gebäude entlang der ganzen Straße oder in der Umgebung mitaufnehmen, um Beziehungen zu den Grenzlinien herzustellen, die in älteren Plänen beschrieben werden. Aufgrund dieses umständlichen Systems sagte meine Chefin einmal: „Wer in Ontario vermessen kann, kann überall auf der Welt vermessen.“ Ob das stimmt, kann ich nicht beurteilen, dass Ontario ein ganz eigenes System zur Grenzbestimmung hat, steht aber fest. Außerdem sind „Füße“, und „inch“ in der täglichen Vermessungsarbeit, wie auch im Alltag immer noch präsent, obwohl in Kanada schon vor über 20 Jahren das metrische System eingeführt wurde.
Neben Grenzvermessungen haben wir auch Kontrollmessungen von Rohren und Leitungsanschlüssen für BP und andere Umweltfirmen durchgeführt. Dazu waren vorher meist ein Sicherheitstraining und zahlreiche Tests notwendig.

Zu unseren Kunden zählte auch ein Einkaufszentrum. Mit Messband, elektronischem Lasermessgerät oder gelegentlich auch dem Tachymeter haben wir dort die Form und vor allem Größe der einzelnen Shops bestimmt, auf deren Basis anschließend die Mietkosten berechnet wurden. Diese Arbeit war vor allem an den kälteren Tagen eine schöne Abwechslung. Der Winter ist dieses Jahr allerdings (leider) so gut wie ausgeblieben und so konnte ich lange ungewöhnlich warmes und sonniges Wetter genießen, was für die Vermessungsarbeit natürlich von Vorteil war. Es gab zwar einige Tage, an denen die Temperaturen auf -30°C fielen, Schnee blieb aber so gut wie aus. Meine Innendienstaufgaben waren ebenfalls sehr abwechslungsreich. So habe ich die Aufträge für die Feldarbeit vorbereitet und nach Informationen zu unseren und benachbarten Grundstücken recherchiert, ältere Pläne bestellt und nach Urkunden gesucht, die zeigen, wer Besitzer des Grundstücks ist und ob irgendwelche Nutzungsrechte anderer bestehen. Außerdem habe ich die Messdaten verwaltet, bei der CAD-Arbeit mitgeholfen und Pakete zur Ablieferung zusammengestellt. Dazu wurden mir auch Aufgaben in der Kundenkorrespondenz und in der Verwaltung des Büros übertragen.

Natürlich habe ich aber nicht nur die ganze Zeit gearbeitet. An Wochenenden und freien Tagen habe ich den Osten Kanadas und einige Städte in den USA besucht, was sich durch die zentrale Lage Torontos angeboten hat. Toronto selbst ist Zentrum einer riesigen nordamerikanischen Metropolregion. Fährt man in den Norden, sieht man dann das wahre Ontario – Natur pur, Wälder und Seen. Auch wenn es viel Durchhaltevermögen gekostet hat, bis der Praktikumsplatz feststand, hat es sich mehr als gelohnt. In diesem halben Jahr habe ich nicht nur meine Sprachkenntnisse verbessert und eine super Ausbildung zum Vermessungstechniker genossen, sondern auch einiges von der Führung eines kleinen Büros mitbekommen. Ich habe viele nette Menschen getroffen und wertvolle Erfahrungen und Erlebnisse im Alltag gehabt, die auch für mein weiteres Leben von Nutzen sein werden. Und so sehr mir das Land hier auch gefällt und ich mich an diese doch sehr verschiedene Lebensweise gewöhnt habe, habe ich gleichzeitig auch Deutschland in sehr vielen Bereichen wirklich zu schätzen gelernt.

Ich bin deshalb froh, dass ich die Chance ins Ausland zu gehen genutzt habe. Allen, die mir dabei geholfen und mich in meinen Plänen unterstützt haben, möchte ich hiermit an dieser Stelle danken. Ohne meine Familie, den DVW und die HfT Stuttgart hätte ich diese schöne Zeit nicht erleben können.

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