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Praxissemester in Kapstadt

An der Hochschule für Technik und Wirtschaft Karlsruhe ist im Laufe des Studiums des Studiengangs „Vermessung & Geomatik“ ein Praxissemester vorgesehen. Da ich 2010 in den Semesterferien an einem Projekt in der Türkei mitgeholfen habe, archäologische Funde mit dem Laserscanner aufzunehmen und die Daten anschließend auszuwerten, hat dies in mir das Interesse geweckt mich mehr mit dem Thema zu beschäftigen.
Als ich vom Zamani Project in Kapstadt erfuhr, war ich sofort Feuer und Flamme.

„Zamani“ ist Suaheli und bedeutet Vergangenheit.

Das Projekt ist eine von Professor Heinz Rüther im Jahre 2004 ins Leben gerufene Forschungsgruppe innerhalb der „University of Cape Town“, welche georeferenzierte Daten von Orten die für Kultur und Afrikas Geschichte von Bedeutung sind, erfasst, modelliert, verwaltet und präsentiert. Hierbei geht es hauptsächlich darum, die Daten archäologischer und kultureller Stätten zu konservieren, da sie von Naturkatastrophen, Bürgerkriegen und Umweltverschmutzung bedroht sind. Weitere Hintergründe und Ziele für die Dokumentation der Kulturstätten sind metrisch korrekte Daten zu generieren um Restaurations- und Konservierungsarbeiten durchzuführen, oder Daten den Ämtern für Erziehung und Bildung sowie für Verwaltung und Tourismus zur Verfügung zu stellen. Für die Datenerfassung werden hauptsächlich 3D-Laserscanning, photogrammetrische und photographische Aufnahmen, GPS und Satellitenbilder verwendet. Das Team hat schon Messkampagnen in Kamerun, Äthiopien, Ghana, Kenia, Mali, Mosambik, Südafrika, Sudan, Tansania, Uganda und Simbabwe durchgeführt.
Leider war es aus finanziellen Gründen für uns vier Praktikanten nicht möglich, auf einer internationalen Messkampagne dabei zu sein. Das Projekt ist aber bemüht, jedem Praktikanten einen Fieldtrip innerhalb Südafrikas zu ermöglichen. Wir nahmen an einen Messtrip nach Plettenberg Bay teil, das ca. 600 Kilometer von Kapstadt entfernt liegt. Hier wurde eine über 3000 – 4000 Jahre alte Höhle aufgenommen. Wir nutzten den Laserscanner HDS 3000, außerdem photographische Methoden eingesetzt. Für eine Panoramatour wurden HDR (High Dynamic Range) Bilder verwendet, da sich die Höhle direkt am Meer befindet, welches das Licht reflektiert hat und es in der Höhle sehr dunkel war. Diese Fotos konnte ich anschließend im Office in Kapstadt zu 360 Grad Panoramabildern transformieren. Mit Hilfe einer interaktiven Karte und Verknüpfungspunkten kann der Betrachter die kulturelle Stätte in einer hohen Auflösung betrachten.
Auch die Datenverarbeitung der Laserscans wurde in Kapstadt durchgeführt. Hierfür wurden die Laserscans von Vegetation, Messinstrumenten und Menschen gecleant, registriert und anschließend mit einer Fototextur versehen. Das Texturiren der Modelle ist ein Aufgabengebiet, welches sich immer mehr durchsetzt, da hierbei die Genauigkeit des Laserscanmodells beibehalten wird, gleichzeitig aber die Farbgebung authentisch ist.

Robberg, Plettenberg-BayScanner HDS 3000 von Leica beim Scannen der HöhleErstellung von Panoramabildern

In diesem halben Jahr konnte ich auch verschiedene Präsentationstechniken kennenlernen, wie unter anderem das Erstellen von Flytrough-Videos zu 3D-Modellen, 3D-Google-SketchUp-Modelle, oder das Erstellen von Layouts. Das Verwalten von Geoinformationssystemen war ebenfalls ein großes Arbeitsgebiet, hierbei wurde alte Karten, und Satellitenbilder, sowie Grundrisse der kulturellen Anlagen georeferenziert und anschließend digitalisiert, die Geoinformationssysteme dienen ebenfalls zu Präsentationszwecken, oder als Hilfsmittel bei weiteren Fieldtrips.

Für mich war das halbe Jahr in Südafrika ein voller Erfolg, ich konnte einen Einblick in das breite Spektrum der Geomatik erhalten und es hat sehr viel Spaß gemacht in dem harmonischen Team zu arbeiten. Das wunderschöne Land Südafrika, insbesondere die Mutterstadt, wie Kapstadt auch oft bezeichnet wird, mit dem bekannten Tafelberg, sowie seinen seitlichen Begleitern Lions Head und Devil´s Peak, welche zu zahlreichen Wanderungen eingeladen haben, haben auch dazu beigetragen und natürlich die direkte Lage an Atlantik und dem indischen Ozean.

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