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Vermessung auf den Öl-und Gasfeldern in Alberta
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Vorstellung der Praxisstelle

HIW Surveys bietet ein breites Spektrum von Vermessungsarbeiten an. Gebäudeaufnahme, Deformationsvermessung bis hin zur Ingenieurvermessung.

Weitere Informationen auch unter:

http://www.hiwsurveys.com/services.html

Der Schwerpunkt liegt jedoch im Öl- und Gasgeschäft. Es werden neue Öl – und Gasfelder mit dazugehöriger Pipeline vermessen. Kanada besitzt ein Zehntel des Weltweiten Oberflächensüßwassers. Und um Wasserver-unreinigungen zu vermeiden, werden Topographie, Gewässer und Wassergräben ein gemessen, um später genügend Abstand vom Oberflächenwasser zur Drilling Rig (Bohrer) zu gewährleisten.

Gründe für die Wahl der Praxisstelle

Auf die Möglichkeit das betreute praktische Studienprojekt im Ausland abzuleisten, wurde ich zu Beginn des Studiums hingewiesen. Schon im ersten Semester war für mich klar das betreute praktische Studienprojekt im Ausland zu leisten. Nach Kanada zu gehen, war für mich schon immer ein großes Ziel in meinem Leben. Kanada ist flächenmäßig das zweitgrösste Land und da gibt es reichlich zu vermessen und zu tun. Der Vorbereitungskurs und der Outgoing Tag der HFT half mir grundlegend bei der Vorbereitung und Bewerbung für dieses Praktikum. In erster Linie suchte ich nach einem Vermessungsbüro, das für mich auch praktische Außendiensttätigkeiten anbietet. In Alberta boomt das Öl und Gasgeschäft, es werden ständig neue Öl und Gasfelder erschlossen und Pipelines gebaut. Hierfür ist das vermessen von neuen Gebieten von Nöten. Schließlich fand ich die Adresse der Praxisstelle durch die Datenbank von Professor Gordon Petrie, Topographic Science, University of Glasgow.

http://web2.ges.gla.ac.uk/~gpetrie/linksdb.html

Diese Datenbank beinhaltet Links zu Firmen und ist in allen Bereichen der Vermessung, Geoinformatik und Photogrammetrie sehr umfangreich, letztendlich bekam ich hier wichtige Impulse. Dann habe ich E-Mails mit kurzem Motivationsschreiben an die interessanten Stellen geschickt und auf Anfrage meine Bewerbungsunterlagen zugeschickt. Mitte August 2011 hatte ich dann ein Vorstellungsgespräch online via Skype und zwei Wochen später meinen ersten Arbeitstag bei HIW Surveys.

Integration in die Organisation der Praxisstelle

HIW hat mich als Survey Assistent mit voller Bezahlung eingestellt. Doch zuvor absolvierte ich ein Erste Hilfe Kurs und ein Kurs über giftige Gase mit Atemschutz. Dann besorgte ich mir einen kanadischen Führerschein. Der Sicherheitsbeauftragte von HIW, hat mich auch auf Gefahren bei der Arbeit hingewiesen, wie Wildtiere im Bush, allergische Reaktionen, auf- und abladen der Quads bzw. Schneemobile. Zu Beginn des Praktikums hatte ich einige Tage im Büro. Dort lernte ich einige Grundlagen, zum Beispiel wie das Vermessungswesen in Alberta aufgebaut ist. Ich durfte auch kleinere CAD Projekte mitbetreuen. Danach wurde ich im Außendienst eingesetzt. Regular sind 21 Tage Arbeit, mit anschließend 4-6 Tage arbeitsfrei vorgesehen. Ein Messtrupp besteht aus zwei Personen, einem „Vermessungstechniker“ und einem Survey Assistent. Die meiste Zeit meines Praktikums, wurde ich in Hotels untergebracht. Da das Vermessungsgebiet meist 3 -5 Autostunden von meinem “Wohnort / Grande Prairie“ entfernt ist. Meine Vorkenntnisse durch Ausbildung zum Vermessungstechniker und das VG Studium kamen mir zu Gute. Dadurch konnte ich mich schnell an den Arbeitsalltag gewöhnen. Fachbegriffe aus der Vermessung konnte ich mir zügig aneignen (lerning by doing), da ich jeden Tag damit zu tun hatte. HIW hat drei bis vier große Kunden, welche die Auftragsbücher füllen. Dies sind Exploration (Erschliessung) Firmen wie Celtic (Kanada) oder TAQA North (Saudi Arabien).

Aufgaben

Vermessung von Wellsites und Pipelines, Mithilfe von RTK und Total Station. Überwiegend geschieht dies im Bush/Wald.

Aufgabe 1 (Aufbau / Set Up der RTK Basis Station)

Nahezu täglicher Aufbau /Set Up der RTK Basis Station.

Nach einer meist längeren Fahrt zum Vermessungsgebiet, stieg ich aus dem Truck und öffnete den Laderaum um an das RTK zu kommen. Das RTK wurde über die Nacht geladen. Es wurde dann am Morgen in den Truck gestellt. Entweder den Koffer zum Basispunkt tragen. Oder auch bei längeren Strecken auf ein kleineres Fahrzeug schnallen und befestigen. Um dann mit dem Quad im Sommer oder mit dem Ski-Dou im Winter zum Basispunkt zu fahren. Dort angekommen, alles abladen den Koffer öffnen und die Basisstation raus nehmen und auf einem, natürlich zuvor mitgebrachtes Stativ befestigen. Nun wird die Zentrierung durchgeführt und eine Höhe mit dem Maßband ermittelt. Der Basispunkt wurde frei gewählt. Das heißt, möglichst wenig Abschattung von Bäumen und anderen Büschen und Sträuchern. Und möglichst auf einer Anhöhe gelegen um möglichst gute Satellitensignale zu empfangen. Doch auch nicht zu weit vom Vermessungsgebiet entfernt, da der Rover mit der Basisstation kommunizieren muss (Stichwort Basislinie). Um auch bei weiteren Strecken eine gute Kommunikation zwischen Rover und Basisstation zu gewährleisten, wird eine extra ca. 6 m hohe Basisantenne mit signal-verstärkendem Radio aufgebaut. Die RTK Basisstation empfängt durchgehend GPS und Glonass Signale um die eigenen Standpunktkoordinaten zu ermitteln. In diesem Zuge wurde auch gleich eine Höhe ü.NN mit ermittelt, welche dann anschließend an die einzelne RTK Messungen mit ran gehängt wird.

Dann nimmt man 2-3 Lagemäßig bekannte Punkte im Vermessungsgebiet auf um eine Stationierung zu berechnen. Doch die Software ist so simple gestrickt, dass für uns „große Toleranzen“ sprich 3 – 5 cm einfach unter den Tisch fallen. Man muss dazu aber auch sagen, dass es in solchen Gebieten wenig Sinn macht, penibel auf 3 – 5 cm zu Messen. Da es bei einer 15 m breiten und 13 km langen Pipelinetrasse im Busch wirklich nicht darauf ankommt ob diese etwas verschoben markiert bzw. geflaged wird.

Aufgabe 2 (Flaging)

Flaging bedeutet, in der Örtlichkeit kenntlich machen von neuen Grenzen bzw. zu rodende Bereiche. Wie neue Pipelinetrassen oder Wellsites im Wald / Bush. Es werden farbige Bänder an Bäume, Büsche, Sträucher usw. befestigt um wie gesagt z.B. Kilometerlange Pipelineschneisen zu markieren. Damit die nach-folgende Holzfellmaschinen auch „Feller Buncher“ genannt ihr zu rodendes Gebiet in der Örtlichkeit sehen.

Aufgabe 3 (Vermessung von bestehenden Pipelines)

Lokalisieren von bestehenden Pipelines Mithilfe eines Pipe Locater (Detektor). Mit anschließender Einmessung der Pipeline. Eine Senderkiste erzeugt ein elektromagnetisches Feld um die Pipeline. Dieses elektromagnetische Feld wird dann wiederum vom Empfänger bzw. Sensor empfangen. Die Senderkiste wird auf die zu lokalisierende und ca. 2 m tief vergrabene Pipeline gestellt. Ist ein Punkt gefunden, wird er mit einem Pflock markiert und anschließend aufgenommen. Die bestehende Pipeline kann so als Polygon dargestellt werden.

Grund für die Pipeline Lokalisierung:
Zum Beispiel, die Pipelinearbeiter / Baggerführer baggert parallel zur bestehenden Pipeline eine neue Trasse. Und die bestehende Pipeline ist somit auf dem Plan und in der Örtlichkeit zu sehen.

Zusammenfassung – Erkenntnisse – Empfehlungen

Es war ein tolles Praktikum und die meiste Zeit ist man in Hotels untergebracht. Ich hatte einen guten Einblick in die Berufswelt eines Vermessers in der Geschäftswelt der Öl und Gas Industrie in Alberta, Kanada.

Meinen Aufenthalt bewerte ich als großen Erfolg, dazu gehören Fortschritte im persönlichen Bereich, sowie geknüpfte Kontakte. Ich denke das wird mich auch in Zukunft im geschäftlichen Bereich sowie im privaten Bereich weiter bringen. Abschließend möchte ich mich noch bei den Professoren der HFT Stuttgart und bei dem DVW für die Unterstützung bedanken.

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