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Praktikum und Job in Down Under
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Ich heiße Hanna und studiere Vermessung an der Hochschule für Technik in Stuttgart. Das5. Semester ist das Praxissemester, sprich man ist nich an der Hochschule, sondern arbeitet in einer Firma um praktische Erfahrung zu sammeln.

Wohin gehen, wenn man ein fünfmonatiges Praktikum vor sich hat? Die Welt ist groß, aber die Entscheidung nach Australien zu gehen viel mir dennoch nicht schwer, hat mich dieses Land doch schon immer gereizt. Nur für einen Urlaub dorthin zufliegen lohnt sich schließlich kaum.

In Brisbane habe ich eine Firma gefunden, die schon vor mir immer wieder Studenten aus Stuttgart und Dresden aufgenommen hat. Vekta Pty Ltd. Also habe ich mich beworben und auch eine Zusage erhalten.
Am 2. August ging es los und ich bin von Frankfurt aus über Abu Dhabi und Singapur ans andere Ende der Welt geflogen. Nach 21h reiner Flugzeit war ich dennoch nicht sonderlich müde, sondern eher aufgeregt und fasziniert von der Umgebung, die so ganz anders war als daheim.
Glücklicherweise habe ich einen Großonkel, der vor ca. 40 Jahren ausgewandert ist und der heute an der Goldküste südlich von Brisbane wohnt. Der hat mich vom Flughafen abgeholt und die ersten Tage herumgeführt.
Nachdem ich dann eine Wohnung in der Nähe meiner Arbeitsstelle gefunden hatte, bin ich nach Brisbane gezogen.
Die ersten 2,5 Monate war ich in der Vermessungsabteilung. Die meiste Zeit war ich mit den Vermessern draußen unterwegs, was mir sehr gut gefallen hat. Zudem gibt es auch keinen besseren Weg eine Stadt richtig kennenzulernen.
Man kommt an Orte, wo man sonst normalerweise keinen Zutritt hat. Einmal hatten wir einen Job in der Lagerhalle einer Chipsfabrik, von dort haben wir dann immer ein paar Tüten Chips mitgebracht. Ein andermal waren wir am Hafen, wo neue Ladekais gebaut wurden. Die verschiedenen Schritte zu sehen, wie zuerst dem Meer Land abgetrotzt wurde und dann die Kais darauf gebaut hat, war hochinteressant.
Mein Highlight war jedoch das Abstecken von Strommasten um Toogoolawah, ca. 120 km westlich von Brisbane. Für 1 Tag dorthin zufahren hätte sich nicht gelohnt, daher haben wir die Nacht im örtlichen Pub verbracht.
Den ganzen Tag sind wir durch den Busch gestiefelt, haben mit GPS die Position der Masten bestimmt und durch Pflöcke markiert. Abends waren wir entsprechend hungrig und haben uns natürlich auf Geschäftskosten ein großes Steak bestellt.
Also von vorn bis hinten ein echtes australisches Erlebnis.

Besonders fasziniert hat mich die australische Tierwelt. Man stampft extra laut durchs Gras und dann passiert es dennoch, dass eine große Braunschlange sich direkt vor dir ein Sonnenbad gönnt. Eine paar Kängurus, die gemütlich im Schatten eines großen Baumes grasen, farbenfrohe Papageien oder kreischende Kakadus, die haufenweise in den Bäumen sitzen und man sich eigentlich wie im Zoo vorkommt. Wirklich großartig!

Die 2. Hälfte meines Praktikums habe ich in der Mapping Abteilung verbracht. Vekta hat mit einer neuen Kamera, der A3 von VisionMap, einen großen Teil von Süd-Ost-Queensland beflogen.
Für das 12 500 km² große Gebiet wurden dann Orthophotos produziert.
Einen großen Teil meiner Zeit habe ich mit dem Editieren in Photoshop verbracht. Bei der automatischen Zusammensetzung der Luftbilder und der Herstellung der Orthos entstehen Bildfehler wie zum Beispiel gewölbte Brücken, Verzerrungen, etc. die sozusagen „manuell“ korrigiert werden müssen.
Die Arbeit war zwar nicht ganz so aufregend, wie bei den Vermessern, hatte aber durchaus ihre Vorteile. Ich konnte mir meine Arbeitszeit frei einteilen, also anfangen und aufhören wann es mir passte. Das Team war ebenfalls großartig und wir hatten großen Spass miteinander.
Nach 2 Wochen kam sogar noch Verstärkung aus Melbourne, eine weitere Deutsche mit der ich eng zusammengearbeitet und sehr gut verstanden habe. Nach wenigen Tagen hatten wir unseren Spitznamen im Büro weg: die „giggling twins“, also die „Kicherzwillinge“.
Außerdem war das Büro klimatisiert und der Sommer in Queensland hat es in sich. Ich bin morgens um 7 Uhr mit dem Fahrad zur Arbeit gefahren und hatte schon das Gefühl, dass ich Spiegeleier auf der Haut brutzeln kann. Es war als nicht unbedingt schlecht, dass ich nicht mehr draußen unterwegs war.
Gearbeitet habe ich von Montag bis Freitag, hatte das Wochenende also immer frei. Da habe ich dann mit meinem Mitbewohner, meinem Großonkel oder mit meinem Zwilling die Gegend in und um Brisbane erkundet. Im Hinterland der Goldküste gibt es wunderschöne Nationalparks mit Regenwald, schönen Bergen und Wasserfällen. Die Küste an sich ist natürlich auch sehenswert. Endlose Sandstrände und hohe Wellen, die zum Baden und Surfen einladen.

Nach Weihnachten kamen dann meine Eltern zu Besuch und wir sind zu Silvester nach Sydney geflogen, um dort das berühmte Feuerwerk zu bewundern. Dort haben wir unseren Mietwagen abgeholt und uns auf eine 2-wöchige Entdeckungsreise durch Australien begeben, die uns letztendlich nach Melbourne geführt hat. Unterwegs haben wir im Zelt übernachtet und viel gesehen und erlebt. Zunächst sind wir an der Küste entlang gefahren, dann jedoch Richtung Landesinnere abgebogen.
Am Besten gefallen hat mir der Kosziusco Nationalpark und das Besteigen des höchsten Bergs Australiens (2228m). Auch wenn die Berge bei weitem nicht mit den Alpen vergleichbar sind, weist die Landschaft doch Ähnlichkeit auf. Anstatt Nadelbäume wachsen dort alte, verwitterte Eukalyptusbäume, was oberhalb der Baumgrenze aber sowieso keine Rolle spielt.

Danach haben wir noch entfernte Verwandte besucht, die eine Farm im Norden Vicorias haben. Das war ebenfalls ein tolles Erlebnis. Obwohl nur ca. 150km vom Nationalpark entfernt, sieht die Landschaft schon wieder komplett anders aus. Aus der alpinen Landschaft wird Weideland auf sanften Hügeln. Das Gras gelblich vertrocknet und die Bäume olivgrün.
Über den Grampians Nationalpark mit beeindruckenden Felsformationen ging es dann nach Melbourne, der Hauptstadt Victorias und von dort aus zurück nach Brisbane.
Für meine Eltern nach wenigen Tagen wieder nach Deutschland und für mich zurück an die Arbeit.

Nach knapp 6 Monaten wäre meine Zeit in Australien nun eigentlich zu Ende gewesen, allerdings hat mir das Land so gut gefallen, dass ich beschlossen habe noch ein Semester zu verlängern. Ich wollte noch einen anderen Teil Australiens kennenlernen und bin nach Melbourne gegangen.
Dort habe ich nach einem anderen Vermessungsbüro einen Job gefunden, womit auch die finanzielle Seite gesichert war.
Australien ist ein sehr teures Land, wenn da die Kasse nicht stimmt, macht weder das Leben noch das Reisen großen Spass. Außerdem fand ich es auch sehr interessant, noch in ein anderes Vermessungsbüro hinein zu schnuppern und andere Methoden und Arbeitsweisen kennen zu lernen.

Melbourne ist eine wunderbare Stadt. Ich habe keine Sekunde bereut, dort gearbeitet und gelebt zu haben.
Nach 12 Monaten Australien hieß es dann schweren Herzens Abschied nehmen. Über Singapur und Abu Dhabi ging es wieder zurück nach Frankfurt, wo ich dann abgeholt wurde.

Ich kann auf jeden Fall nur jedem empfehlen für eine längere Zeit ins Ausland zu gehen, es gibt keinen besseren Weg Land und Leute besser kennen zu lernen. Ich würde es jederzeit wieder tun.

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