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Masterarbeit zum Klimawandel in Norwegen
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Ich studiere Geodäsie und Geoinformatik an der Leibniz Universität Hannover und war im Rahmen meiner Masterarbeit drei Monate an der Norwegian University of Life Sciences (UMB) in Norwegen. Die UMB befindet sich in Aas, einer kleinen Stadt etwa 40 km südlich von Oslo. Zwischen der UMB und der LUH gibt es eine ERAMUS-Vereinbarung, wodurch ich Unterstützung bei organisatorischen Angelegenheiten und einen monatlichen Zuschuss erhielt.

Bevor ich Ende März nach Norwegen geflogen bin, habe ich im Bildungsverein Hannover einen einwöchigen Norwegisch-Kurs belegt. Weitere Einblicke in die norwegische Sprache hat mir vor allem meine norwegische Mitbewohnerin gegeben, von der ich den Unterschied zwischen den Schriftsprachen bokmål und nynorsk und den gesprochenen Dialekten gelernt habe. Mit meinem Professor und den anderen Studierenden habe ich hauptsächlich Englisch gesprochen und auch die Masterarbeit schreibe ich auf Englisch.

Bei meiner Masterarbeit geht es um einen Vergleich zwischen Norwegen und Deutschland, wie die Länder mit dem Klimawandel umgehen und was Landmanagement dazu beitragen kann. Für die Arbeit führte ich viele Interviews mit Experten/-innen aus verschiedenen Bereichen. Einige arbeiten an der UMB, andere an der Universität Oslo, wieder andere an der Westküste in Bergen. Durch diese Arbeit habe ich sehr viel gelernt: die Vorbereitung eines Interviews, das Formulieren der Fragen, den Umgang mit den Gesprächspartner/-innen, das Transkribieren und schließlich das Auswerten der Interviews.

Ich habe im Pentagon, einem großen Studentenwohnheim in Aas, in einer 6-er WG gewohnt. Ich hatte mein eigenes Zimmer und wir haben uns Bad und Wohnküche geteilt. Den Großteil der Zeit habe ich mit drei Norwegerinnen, einem Äthiopier und einem Deutschen zusammengewohnt. Da ich keine Kurse belegte, lernte ich vor allem bei Veranstaltungen oder über Sport Leute kennen. An der Uni gibt ein großes Sportangebot (Teamsports wie Volleyball, Fitnesskurse etc.) und diverse Clubs (Internationale Gruppe, Wander-Club, Musikgruppen,…). Die UMB ist die Uni mit dem größten Anteil ausländischer Studierender in Norwegen (ca. 20 %). Ich habe Studierende aus den unterschiedlichsten Ländern (Europa, USA, Nepal, Ägypten, Eritrea…) kennengelernt, manche machen ein „normales“ Auslandssemester, andere schreiben wie ich ihre ganze oder halbe Abschlussarbeit an der UMB, wieder andere promovieren oder machen ein Praktikum. Durch die unterschiedlichen Herkunftsländer, Muttersprachen und Absichten für den Norwegenaufenthalt war das Leben sehr bunt und interessant. Leider war das außeruniversitäre Leben von norwegischen und ausländischen Studierenden stark getrennt, es gab nicht viel Interaktion. Ich hatte das Glück, eine sehr aufgeschlossene norwegische Mitbewohnerin zu haben, über die ich weitere Norwegerinnen kennenlernte. Wir hatten oft Spielabende und haben zusammen gekocht, wobei ich auch ein paar norwegische Rezepte (zum Beispiel Lefse) gelernt habe. Zu unseren Aktivitäten am Wochenende gehörten Ausflüge nach Oslo, an den Fjord, lange Spaziergängen oder Wanderungen. Neben kurzen Aufenthalten in Bergen und Trondheim war ich Ende Juni drei Tage in Tromsø in Nordnorwegen, wo es im Sommer nicht dunkel wird und das Highlight ein Ausflug mit Schlittenhunden war.

Durch den Aufenthalt in Norwegen bin ich selbstbewusster und offener für neue Situationen geworden. Mir ist außerdem bewusst geworden, dass ich sehr privilegiert bin und es nicht allen so geht. Ich bin als ERASMUS-Studentin nach Norwegen gegangen, weil ich Lust und Ambitionen hatte und mich die Herausforderung gereizt hat. Ich habe in Aas viele Studierende und Promovierende kennengelernt, die nach Norwegen gekommen sind, weil sie in ihren Ländern keine guten Lern- oder Arbeitsbedingungen haben oder durch bspw. politische Unruhen gezwungen waren, ins Ausland zu gehen. Diese Erkenntnis macht mich dankbar und offener für die Schicksale anderer.

Ich danke dem DVW für die finanzielle Unterstützung meines Norwegen-Aufenthaltes, der mich sowohl fachlich als auch persönlich sehr bereichert hat.

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