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Praxissemester in Äthopien
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Schon vor Beginn meines Studiums wusste ich das ich das Praxissemester im Ausland verbringen möchte und als dann die Zeit immer näher rückte entschied ich mich für Afrika.

Ich bin derzeit im vierten Semester und studiere Geoinformation an der Beuth Hochschule in Berlin. Über einen Professor meiner Hochschule landeten eine Kommilitonen und ich in Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens. Wir waren an der AAU (Addis Abeba University) untergebracht und unsere Aufgabe war die Erstellung eines WebGIS, mit einer Software von ESRI namens ArcGIS Online, indem sämtliche Indikatoren der Weltbank rund um das Thema Afrika visualisiert werden sollten. Das Ganze ist vergleichbar mit Statistik- oder Choroplethenkarten. Da dies Neuland für uns war und wir bisher nur mit der Desktopversion gearbeitet haben, bekamen wir vorab eine online-Schulung, mit abschließendem Zertifikat. Dieses WebGIS soll in einer Konferenz vorgestellt und danach veröffentlicht werden. Damit es für den Nutzer einfacher ist zu vergleichen, haben wir zusätzlich Web-Applikationen erstellt und Pop-ups integriert. Außerdem halfen wir bei einem Projekt der Studenten, wobei die vielen Campusgrundstücke Addis Abebas vermessen werden sollten. Bei diesem Studentenprojekt wurde mit einem Handheld-GPS-Gerät der Firme Trimble gearbeitet. Dies war eine großartige Erfahrung und man konnte einen Vergleich zu unseren Mess- und Arbeitsmethoden ziehen.

Addis Abeba selbst hat zwei Gesichter, zum einen gibt es hier mehrstöckige Gebäude, breite moderne Straßen, Einkaufszentren, Waldgebiete und viele internationale und traditionelle Restaurants, sowie auch alles andere was eine Metropole so haben muss, aber zum anderen gibt es die Armut, die diese Stadt dominiert. Überall sieht man Bettler jeden Alters und wer nicht bettelt stiehlt. Diese Erfahrung musste ich leider auch machen, ich wurde in einem der Minibusse, welche das öffentliche Verkehrsmittel schlechthin sind, überfallen und ausgeraubt. Apropos Verkehr, dieser ist sehr rasant und selbst für uns Großstädter chaotisch, zudem werden größtenteils Autos älteren Baujahres gefahren, wodurch es zu hoher Abgasbelastung kommt. Auch durch andere Emissionen wird die Luft dort verschmutzt. Die Wasserversorgung ist zu gering oder nicht vollständig ausgebaut für die Masse an Bevölkerung, so dass das z.T. stark verschmutztes Wasser aus öffentlichen Wasserstellen oder Flüssen konsumiert werden muss, die Resultate dazu muss ich sicher hier nicht erläutern.

Aber wir hatten das Glück durch unseren einheimischen Betreuer auch Teile des restlichen Landes kennen zu lernen und zu erleben, sowie Addis Abeba auch mal für ein paar Tage zu verlassen. Die Landschaft ist spektakulär und die Flora und Fauna für uns Europäer wahnsinnig beeindruckend. So besuchten wir unter anderem den Awash-Nationalpark; Lalibela- „die Stadt der Engel“; Debre Libanos, wo wir die portugiesische Brücke, ein altes Kloster mit einer heiligen Quelle und die achteckige Kirche Haile Selassies besichtigten, sowie die Universität in Alemaya, an welcher wir in den Genuss kamen einen echten Löwen füttern zu dürfen. Man sagt wer einmal in Äthiopien war, kehrt wieder und auch ich denke das es nicht der letzte Aufenthalt in diesem Land war, dann aber definitiv nicht in der Hauptstadt.

Das Land hat wahnsinnig viel zu bieten, u.a. möchte ich unbedingt die Danakil Senke, Axum, Gondar und weitere Nationalparks bereisen und erkunden. Die Geschichte, Kultur und Religion des Landes sind sehr interessant, zumal man annimmt dass durch Miss Lucy dort die Menschheitsgeschichte begann. Auch wer einmal äthiopischen Kaffee getrunken hat, möchte nie wieder anderen trinken.

Ich kann jedem, der die Möglichkeit hat, ein Auslandspraktikum o.ä. empfehlen. Dies ist eine Erfahrung die einen reifen lässt, eine Einblick in eine vollkommen andere Kultur ermöglicht, man lernt fernab von der deutschen Bürokratie diese zu schätzen und auch die alltägliche Kommunikation in einer Sprache (meist englisch) ist sicher dienlich für den weiteren Berufsweg.

Hätte ich nochmal die Wahl, ich würde es jeder Zeit wieder tun.

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