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Ich bin Student der Geoinformation (Bachelor) an der Beuth Hochschule für Technik Berlin und so stand auch für mich die Praxisphase in den Monaten Juni bis August bevor. Nach einem Aushang am schwarzen Brett meiner Hochschule bewarb ich mich also beim Tiroler Traditionsunternehmen KOMPASS Karten GmbH und bekam auch prompt die Zusage. Also hieß es Auslandspraktikum, ich komme! Einige meiner Kommilitonen konnten sich ein Schmunzeln beim Wort „Ausland“ nicht verkneifen. Doch für einen Berliner Flachlandtiroler wie mich war es natürlich doch schon ein kultureller Unterschied und die Umgebung lässt sich auch nicht mit dem Berliner Urstromtal vergleichen. Nach mehr als acht Stunden Zugfahrt und mehreren hochwasserbedingtem Umsteigen kam ich schließlich Anfang Juni in der Tiroler Landeshauptstadt an.

Ich war nun also bei einem der größten Kartenverlage für Outdooraktivitäten mit Sitz in der Tiroler Landeshauptstadt Innsbruck. Umgeben von Bergen mit anfangs noch schneebedeckten Gipfeln standen für mich drei Monate voller neuer Eindrücke bevor. Der Verlag selber gehört zur deutschen MairDumont-Verlagsgruppe und hat sich in seiner 60-jährigen Firmenzeit zunächst auf Wanderkarten im Alpenraum beschränkt. Heute führt der Verlag 1.300 Produkte, wovon 700 Wander-, Rad- und Skitourenkarten sind, die die Wandergebiete in Deutschland, Österreich, Südtirol, den Balearen und Kanaren, sowie Teile Italiens, der Schweizer Alpen, Slowakeis und der Adriaküste abdecken. Mein Aufgabenbereich fing mit kleineren Aufgaben, wie dem Recherchieren von Kontaktadressen von Gemeinden an. Durch die Rücksendung korrigierter Karten kann der Datenbestand von KOMPASS aktuell gehalten werden. Ebenfalls durfte ich auch am regulären Herstellungsprozess zur Kartenproduktion mitwirken. Dieser bestand bei mir hauptsächlich in redaktionellen Korrekturen der neuen Mallorca-Karte, sowie im Zeichnen von Geröll- und Felsdarstellungen. Ich hoffe, es ist dabei klar, dass das heutzutage nicht mehr analog geschieht. Bei KOMPASS wird dabei auf die Software der schweizer Firma Morelli Informatik gesetzt, dessen Paketumfang unter anderem Software zur Verwaltung, Bearbeitung und Editierung der Daten beinhaltet. Mein eigentliches Projekt, das Zoomstufenprojekt, bestand aber nun darin Daten von OpenStreetMap in ihrem Aussehen soweit zu ändern bzw. anzupassen, dass sie dem KOMPASS Duktus entsprechen.

Es ist auch zu erwähnen, dass das Zoomstufenprojekt nur ein Teil eines größeren Projektes ist. Demnächst soll es eine App von KOMPASS mit seinem eigenen Kartenmaterial geben. Da der Datenbestand, aber nicht flächendeckend für ganz Europa, geschweige denn für die ganze Erde und auch nicht in allen Maßstäben vorliegt, sollten die fehlenden Flächen mit OSM-Daten gefüllt werden. Und da kam ich ins Spiel. Meine Aufgabe bestand nun darin, die OSM Daten optisch so anzupassen, dass sie dem KOMPASS Duktus entsprechen und das für verschiedene Zoomstufen. Je nach Zoomstufe sollten bestimmte Objekte dargestellt bzw. auch weggelassen werden. Dabei habe ich ausschließlich die kostenlose Software TileMill von MapBox genutzt. TileMill ist eine kartographische Design- Umgebung, welche Mapnik als Zeichensoftware (Renderer) und CartoCSS als Sprache für Stilvorlagen (engl. stylesheets) einsetzt. Des Weiteren ist es mit einer graphischen Benutzeroberläche ausgestattet, welche mir die Bearbeitung vereinfachte, da Änderungen im Script sofort in einem Fenster, in dem die Karte gerendert wird, angezeigt werden. Daten können mit Hilfe von Shapeiles oder einer Verbindung zu einer PostGIS Datenbank in TileMill geladen werden. Nach einigen Online- Crash-Kursen und dem Lesen von Foren konnte ich mich nach und nach in die mir vollkommen fremde Sprache CartoCSS und dem Programm TileMill einarbeiten. Mit Hilfe des Scripts konnte ich nun das Aussehen der über die PostGIS Schnitstelle eingebundenen OSM Daten eben diese Daten in Form von Punkten, Linien, Polygonen und Schriften nach Herzenswünschen ändern. In meinem Fall jedoch nach den Wünschen von KOMPASS. Nebenbei entwarf ich auch noch einige neue Signaturen für Objekte, welche OSM in seinen Daten hat, KOMPASS bisher aber noch nicht, diese aber gerne darstellen möchte. Aufgrund meiner anfänglichen mangelnden Kenntnis über das Programm, seiner Eigenschaften, der Sprache CartoCSS , sowie softwaretechnische Probleme zog sich dieses Projekt regelmäßig in die Länge, so dass mir die Zeit meines Praktikums leider nicht ausreichte, um dieses Projekt zu beenden. Meine letzte Aufgabe bestand also darin, meine Erfahrungen und neuem Wissen einem weiterem Praktikanten mitzuteilen.

Neben der Zeit im Büro nutzte ich natürlich auch die Gelegenheiten Innsbruck und Umgebung durch leichtere und anstrengendere schwerere Wanderungen zu erkunden. Da ich, was Kartenmaterial anbelangt, direkt an der Quelle saß, konnte ich mir meine Touren schon im Vorhinein genau planen. In der Regel waren sie so ausgelegt, dass ich bei der Hälfte einer Tour auf einer Alm- oder Berghütte meine Jause bei Almdudler und einem immer wieder überwältigendem Panorama genießen konnte. Nebenbei wurde ich dann auch mal von einem Einwohner der Alpen, wie zum Beispiel Gemsen oder auch Kühen, begleitet oder mir wurde der Weg von eben diesen versperrt. Auch sonst nutzte ich die Gelegenheiten über das Wochenende andere Regionen und Städte zu erkunden, welche sich von Berlin aus für einen Kurztrip schlichtweg nicht gelohnt hätten. Ebenfalls durften eine Rafting- bzw. auch Canyoningtour in einer der zahlreichen Tiroler Klammen und Schluchten nicht fehlen.

Zusammenfassend kann ich nur jedem Raten, der die Chance hat ein Praktikum im Ausland zu absolvieren, diese zu ergreifen und sei es nur in einem unserer Nachbarländer. Mir persönlich hat es dem Studium betreffend weitergeholfen, da ich mich mit einer neuen Software, sowie mit einer anderen Scriptsprache beschäftigte, die ich bisher im Studium noch nicht kennengelernt hatte. Selbstverständlich lernte ich auch die Tiroler Kultur und Küche zu schätzen, welche umringt von den Alpen einen einmaligen Eindruck bei mir hinterlassen hat.

Ich danke auch der KOMPASS Karten GmbH und seinen Mitarbeitern, welche meinen Aufenthalt positiv beeinflusst und mich freundlich und offen in ihr Team aufgenommen haben. Darüber hinaus möchte ich mich auch nochmal beim DVW bedanken, welcher mir bei den Reisekosten finanziell zur Seite stand.

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