Arbeitsplatz Erde BLOG
Stipendiat werden
15.5501°, 32.5322°
In Khartum, um Khartum und um Khartum herum
Tags: , | Comments Off

Der Sudan war für mich ein leerer Fleck auf der Karte, bevor ich mich im August 2013 mit einem Kommilitonen auf die Reise dorthin begab. Wir nutzten die Gelegenheit, die uns eine obligatorische Praxisphase im 4. Semester bot, um ein uns unbekanntes Land zu erkunden. Auf einfache Nachfrage hin konnten wir dazu auf den Erfahrungsschatz von Prof. Dr. Bernd Meissner zurückgreifen, der bereits seit den 70er Jahren Beziehungen zum Sudan pflegt.

Unser Aufenthalt in Khartum stand nämlich im Zusammenhang mit der 2nd East-African Uni-GI Summer School, einer Zusammenkunft von Studenten und Lehrenden der Geoinformationsbranche aus Äthiopien, dem Sudan, Süd-Sudan, der Demokratischen Republik Kongo und Deutschland. In Vorbereitung dessen erstellten wir eine Kartenserie mit Satellitenbildern der Region um den 6. Katarakt des Nils bei Sabaloka.

Desweiteren musste eine Karte von Khartum, die aus vorherigen Kooperationen der Beuth Hochschule für Technik Berlin und unseren Gastgebern von der Al Neelain Universität Khartum hervorgegangen war, aktualisiert werden. Die rasant wachsende Metropole hat sich allein in den letzten zehn Jahren radikal verändert. Durch die Kartierungsarbeiten konnte ich die Stadt und ihre beiden Schwesterstädte auf den anderen Seiten von weißem und blauem Nil in der kurzen Zeit doch etwas besser kennen lernen.
Bei alldem lernten wir natürlich auch die Sudanesen – gleichaltrige Studenten wie Professoren – gut kennen und schätzen, sei es bei Übernachtungen unterm Sternenhimmel mit Geographiestudenten im Wüstencamp der Universität bei Sabaloka oder der Masterstudent der Geologie, der für die Zeit unseres Aufenthaltes in Khartum in unserer Wohnung wohnte und mit uns viel Zeit verbrachte, um am Nilufer Tee oder Kaffee zu trinken oder die ein oder andere traditionelle Shisha zu rauchen.

Besonders hervorzuheben ist die kulinarische Welt des Sudans. Abgesehen vom obligatorischen guten Kaffee gibt es hier eine außerordentlich gesellige Essenskultur, die viel Spaß, aber auch dem westlich geprägten Magen das ein oder andere Problem bereitet. Es lohnt sich dennoch. Sei es das sudanesische Nationalgericht Foul oder das äthiopische Brot Kisre, im Kreis um eine Schale sitzend und mit den Händen essend schmeckt das alles noch etwas besser.

Als deutscher oder europäischer Student repräsentiert man für viele Sudanesen die Hoffnung, die Armut im Sudan zu verlassen und sozial aufzusteigen – überall wird man eingeladen, der Familie vorgestellt. Diese Belastung ist jedoch beiderseitig: Aus religiösen und kulturellen Gründen sehen sich viele Sudanesen mehr oder weniger gezwungen, für sämtliche Kosten, die in der gemeinsam verbrachten Zeit entstehen, persönlich aufzukommen. Auch wenn sie dies an ihre finanziellen Grenzen bringt, das Ehrgefühl spielt hier eine nicht zu unterschätzende Rolle.

Der Fokus des Praktikus bestand weniger darin, fachliche Kenntnisse zu vertiefen, sondern das bereits Gelernte praktisch anzuwenden. Allein der Umgang mit einer fremden Kultur, einer besonders Berlinern nicht immer so fremden Religion sowie den vielen Eigenheiten und Gewohnheiten, die oft für ungewöhnliche Situationen sorgen, waren eine sehr, sehr schöne und spannende Erfahrung.

Der Sudan ist ein Land im Zwiespalt mit sich selbst, in einer Identitätskrise zwischen arabischer und afrikanischer Welt, deren beider Signale uns nur mit schockierenden Nachrichten erreichen. Mir präsentierte sich der Sudan als ein armes aber auch grenzenlos gastfreundliches Land, das jeden, der sich traut, mit positiven Erfahrungen belohnt.

Für aufgeschlossene Studenten im Bereich der Geoinformation bietet sich eine Auslandserfahrung geradezu an, in Kombination mit auslandserfahrenen Professoren und der unkomplizierten Förderung durch den DVW muss man sich schon anstrengen um noch Gegenargumente zu finden.

Kategorie: Uncategorized - Tags: ,

Kommentare sind geschlossen.