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Reise nach San Diego zu einer Geoinformatik-Konferenz
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Bewerbung für die ESRI User Conference

Auf der Suche nach einem Thema für eine Bachelor-Arbeit bin ich zufällig im Gang meiner Hochschule auf Prof. Kettemann gestoßen. So nebenbei erwähnte er, dass er eventuell für mich ein passendes Bachelor-Arbeit Thema hätte. Es stellte sich heraus, dass es sich um die Erstellung eines Geoinformationssystems für eines der größten Höhlensysteme Deutschlands, nämlich für das Blauhöhlensystem in Blaubeuren handelte. Ohne weitere Details und mit einem Zeitdruck von drei Tagen, wählte ich das Thema, welches mich überraschenderweise bis zur ESRI User Conference in San Diego bringen würde.
Noch während ich jeden Tag gebeugt an meiner Bachelor-Arbeit saß und jeden Tag ein neue Herausforderung bewältigen musste, welches mein Höhlen-GIS mir stellte, hatte mein Professor vorgeschlagen, dass ich mich mit meiner Bachelor Arbeit für das ESRI Anwendertreffen die ESRI User Conference in San Diego (USA) bewerben sollte. Es ist bekannt, dass jeder Student während der so wichtigen Bachelor-Arbeit, die mit so vielen Credit-Points wie ein ganzes Semester verrechnet wird, ganz unabhängig von dem gewählten Thema, nur an ihr Abschluss und die damit verbundene Erlösung denkt. In diesem Zustand hatte ich Gott sei dank noch die Ausdauer eine kleine Zusammenfassung meines BA-Themas und das Beste aus meiner Biografie wiederzugeben und an ESRI zu schicken.
Während der nächsten Monate hatte sich das GIS für die Blautopfhöhle weiterentwickelt, meine Nerven sich gelockert und eine weitere neue PC-Tastatur angekommen. San Diego und die User Conference schienen weit weg zu sein. Nachdem ich mein Bachelor-Studium abgeschlossen hatte, kam die Erlösung in Form einer E-Mail mit dem Inhalt, dass ich in Juli bei der jährlich stattfindenden Konferenz erwartet wurde, wo ich meine Bachelorarbeit in einer 20 minutigen Präsentation vorstellen sollte. Nach den ersten Freuderufen, kamen mir, der zu der Zeit einen 450-Euro Job in Berlin hatte, die Mega-Kosten in den Sinn: Flug in die USA, Hotelkosten und Unterhaltskosten. Doch so eine Chance wird nur selten geboten!

Anreise in San Diego
Selten habe ich mich so fehl am Platz gefühlt wie in San Diego Hilton Hotel, welches sich gegenüber dem San Diego Convention Center befindet, und wo ich mein Badge, also den Ausweis für die Konferenz geholt hatte. Umso glücklicher war ich als ich diesen Prachtpalast verlassen hatte und dem riesigen Convention Center der mit ESRI Logos dekoriert wurde gegenüber trat. Stolz erfüllte mich, der sich jedoch schnell von mulmigen Gefühl vor so vielen Kollegen eine Präsentation zu halten, ersetzt wurde. Schließlich gehört die ESRI User Conference zu den größten Konferenzen im GIS Bereich, mit jährlich bis zu 16.000 Teilnehmern aus verschiedenen Industriezweigen aber vor allem der Geoinformatik. Es werden bis zu 900 durchgeführte Projekte vorgestellt und 300 technische Fortbildungen angeboten.
In meinem Hostel konnte ich mich von der Große der Konferenz noch mal überzeugen, als ich versuchte die kommenden Tage mit dem von ESRI eingerichteten Terminplaner zu organisieren. Hunderte von Vorträgen, Map Gallery, GIS Solutions EXPO, Lightning Talks, ESRI Showcase, USER Software Applications Fair, Industry Showcases und noch vieles Mehr wurden für jeden der Tage geboten.

Der Start – Plenary Session
Im Gegensatz zu den restlichen Tagen in den man freie Wahl hatte, war der Montag, der offizielle Beginn der Konferenz, bis ins kleinste durchgeplant. Man hat sich, nachdem man sich vor den Eingängen mit Kaffee oder Tee versorgt hatte, nur in der riesigen Halle, die mit Leinwänden überseht war, einfinden müssen. Schon beim eintreten in die Halle hatte man die Begeisterung der Kollegen gespürt und sich mitreisen lassen.
Nach der einstimmenden Musik und einem Intro auf allen Leinwänden, erschien Jack Dangermond auf der Bühne, der Gründer von ESRI. Nach einigen Worten brachte er den Grund der Konferenz auf den Punkt, es geht um GIS, Geografie aber vor allem um die Benutzer der ESRI-Software und die Kommunikation zwischen ihnen. Aus diesem Grund hatte der ESRI-Gründer jeden im Publikum aufgefordert sich seinem Sitznachbarn vorzustellen und sich mit ihm anzufreunden. Danach hatte Mr. Dangermond wieder das Wort ergriffen und die Wichtigkeit von GIS und der Arbeit der GIS-Spezialisten durch unzähligen Einsatzmöglichkeiten von GIS hervorgehoben. Spätestens als der ESRI-Gründer das Publikum als Architekten der Zukunft bezeichnet hatte, war jeder im Publikum motiviert und stolz in dieser Branche tätig zu sein.
Es folgten einige Fallbeispiele für den Einsatz von GIS, wie z. B. im Hafen von Rotterdam oder durch Starbucks, sowie Auszeichnungen. Danach wurde die logische Weiterentwicklung von ArcMap 10 vorgestellt: es unterstützt 64x-Bit-Prozessoren, hat eine neue grafische Oberfläche mit Ribbons, stellt 3D-Daten dar und heißt ArcGIS Pro.
Als ob Jack Dangermond versuchte mit jeder Präsentation eine neue Begeisterungsstufe zu erreichen, lud er die ehemalige NASA Astronautin Dr. Kathryn Sullivan auf die Bühne, die mit Freude von ihrer Liebe als Kind erzähle, nämlich Karten in National Geographic Magazin anzuschauen.
Am meisten beeindruckte mich jedoch die Präsentation von der Global Polio Eradication Initiative, die der Kinderlähmung einen Kampf angesagt hatte. Obwohl in fast allen Ländern der Welt verschwunden, ist die Kinderlähmung (Polio) in den ärmsten Teilen der Welt noch nicht ausgerottet, so litten vor kurzem noch Indien oder Nigeria an dieser schrecklichen Krankheit. In der Präsentation wurde ausführlich dargelegt wie wichtig GIS im Kampf gegen die Krankheit gewesen ist, so das die Fallrate in Nigeria um 99% gesenkt werden konnte.
Nach der Mittagspause folgte der Auftritt einer amerikanischen Politikerin und die Vorstellung eines ESRI-Programms welches den Kindern in den USA GIS näher bringen soll. Der Höhepunkt des Nachmittags war unter anderem der Popstar „will.i.am“ der über Skype eine Smart Watch mit ESRI-Karten vorgestellt hatte. Dann folgte ein Video des ESRI-Interviews mit der berühmten Verhaltensforscherin Jane Goodall, die in den 60ern nach Tansania reiste ist um das Verhalten von Schimpanse zu studieren und sich nun für den Schutz der Habitate der Primaten einsetzt. In diesem Video betonte Jane ebenfalls die Wichtigkeit von GIS bei ihrer Arbeit.
Nach weiteren Vorträgen wurde man schließlich in einen anderen Saal geladen, wo die Map Galerie stattfand. Eine Ausstellung von verschiedensten Karten aus aller Welt. Die Karten konnten bei einem Buffet, zusammen mit dessen Autoren betrachtet werden und so wurde der erste ereignisvolle Tag beendet.

Präsentationen, Events und eine menge Firmen

Am Tag nach der Plenary Session habe ich in einem gut gefüllten Saal meine vielmals geübte Präsentation über das Blauhöhlensystem erfolgreich gehalten und war sehr erleichtert mich in das Konferenz-Getümmel stützen zu können. Während der folgenden Tagen war ich dabei einen möglichst große Anzahl von Präsentationen die mich interessierten zu besuchen. Dabei war die Planung nicht einfach, denn viele Präsentationen überlappten sich und es sich als ein Kunststück herausgestellt hatte einen kleinen Teil von dem zu sehen, in dem man interessiert war. Dabei war die Vielfalt der angebotenen Bereiche gigantisch, „Securing Services and Applications“, über „Water, Wastewater, Stormwater“ bis hin zu „Real-Time Data and Sensor Networks“ wurden abgedeckt. Daneben die GIS Solutions EXPO mit zahlreichen Firmen die mit ihren GIS-Lösungen lockten, wie z. B. Vermessungs-Drohnen, Oculus Rift oder Sensoren die im WLAN-Netz befindliche Handys tracken und auf einer Karte darstellen können. Und zusätzlich dazu ESRI Showcase bei dem man die neuste ESRI-Software ausprobieren konnte und natürlich noch weitere Events.

Fun in San Diego
Auch wenn es sich stressig anhört drehte sich die komplette Konferenz, wie der Name schon sagt, um den Benutzer. Deswegen war es hauptsächlich sehr interessant, lehrreich und spannend den unterschiedlichen Events beizuwohnen. Zusätzlich dazu, gab es von ESRI organisierte Fun-Events, welche die Stimmung weiter gehoben und Abwechslung geboten haben. So konnte man bei einem 5k Fun Run teilnehmen, es gab Yoga-Kurse im Angebot und am vorletzten Tag gab es eine große Party für alle Konferenzteilnehmer. Die Party fand in dem riesigen Balboa Park nicht weit vom Zentrum San Diegos statt. Den Transport der Teilnehmer hat ESRI übernommen und überraschend gut bewältigt. Zuerst erschreckt durch die riesige Warteschlange, die sich entlang der Konferenzgebäudes zog, bin ich doch ziemlich schnell in einer der Busse einsteigen können. Im Park verteilt befanden sich unterschiedliche Museen, wie Natural History Museum, Kunstmuseum und noch andere. Nicht nur dass man einen freien Eintritt in jeden dieser Museen bekam, in jedem davon wurden zusätzlich unterschiedlichste Snacks und Getränke angeboten. Außerdem gab es mehrere Konzerte, Musik sowie Popcorn- und Eiscremestände verteilt im ganzen Park, so, dass der Park sich in ein Volksfest verwandelte. Darüber hinaus gab es während der Konferenz-Woche ein freudiges Ereignis für die deutschsprachigen Teilnehmer der Konferenz. Claus-Dietrich Werner von Esri-Germany hatte zu einem Treffen im „Top of The Hyatt“, einem luxuriösen Hotel mit einem fantastischen Ausblick über San Diego, zum sich kennenlernen geladen. Und obendrein darf man den Ort der Konferenz nicht unbeachtet lassen. Die zweitgrößte Stadt Kaliforniens, San Diego, eine coole Stadt am Pazifik mit einem sehr angenehmen Klima. So wurde die sehr interessant und informative Konferenz-Woche sicherlich durch diese Stadt abgerundet, die zusätzlich zu den von ESRI gebotenen Sehenswürdigkeiten, ihre eigenen geboten hat. So liegt zum Beispiel, neben Pubs, wunderschönen Hotels und Parks, ein gigantisches ausrangiertes Flugzeugträger USS Midway im Hafen von San Diego und dient nun als Museumsschiff. Auch wenn ich nur einen kleinen Teil der Sehenswürdigkeiten gesehen habe, so hat die Stadt einen sehr positiven Eindruck bei mir hinterlassen.

Fazit
Die Esri User Conference war eine tolle Erfahung und ich bin sehr froh diese gemacht haben zu dürfen. Ich habe einen Überblick bekommen, was mit GIS möglich ist, welche Probleme bestehen und welche Entwicklungen in den nächsten Jahren folgen werden. Und ein schöner Nebeneffekt der Konferenz ist, dass ich umso motivierter in mein Master Studium der „Photogrammetry and Geoinformatics“ starte.

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