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Vorbereitung

Als ich die Zusage für die beworbene Praktikumsstelle bei „Skylab Mobilesystems Limited“ als Geoinformatiker in Hongkong erhalten habe, war ich sehr erleichtert. Von Studienbeginn an stand fest, dass Praxissemester im Ausland zu absolvieren und obendrein war Hongkong mein bevorzugter Zielort. Natürlich war mit der Zusage nicht alles abgetan, denn vor dem Praktikumsantritt im Ausland gab es einige Vorbereitungen zu treffen. Dabei war mein erster Gedanke: „Ich brauche eine Unterkunft“. Mir wurde schnell bewusst, dass ich eine eigene Wohnung unmöglich finanzieren konnte. Aus diesem Grund suchte ich online nach „share flats“ (Wohngemeinschaften). Da sich meine Praktikumsstelle nahe des Zentrums Hongkongs befand, waren dort die Mietpreise entsprechend hoch. Die preiswertesten „share flats“ begannen bei etwa 450€ im Monat. Ich dachte es wäre sinnvoll, sich mehrere Monate vor der Anreise um eine Unterkunft zu kümmern. Doch nachdem ich mehreren Inserenten durch E-Mails mein Interesse für deren „share flats“ gezeigt hatte, sah ich ein, dass ich sogar eine Woche vor Reiseantritt noch zu früh dran war. Der Grund war, dass die Wohnungen nicht so langfristig im Voraus freigehalten werden konnten. Ich bekam die Adresse von einer Wohnungsvermittlung, welche ich nach meiner Ankunft in Hongkong aufsuchen sollte. Sie versicherte mir, eine passende Unterkunft für mich zu finden.

Ein weiterer Punkt, der vor der Einreise dringend zu erledigen galt, war der Antrag eines Visums. In meinem Fall wurde ein Arbeitsvisum benötigt. Den größten organisatorischen Teil für die Beantragung übernahm mein Arbeitgeber. Meine einzigen Aufgaben waren, einen mehrseitigen Antrag auszufüllen und zu beweisen, dass ich ausreichend finanzielle Mittel zur Verfügung hatte um den Aufenthaltszeitraum problemlos zu überstehen.
Weitere wichtige Aufgaben als Vorbereitung auf das Praktikum im Ausland waren das Abschließen einer Auslandsversicherung, Beantragung einer internationalen Kreditkarte und auch medizinische Schutzmaßnahmen wie notwendige und empfohlene Impfungen. Etwas weniger wichtige, aber dennoch sinnvolle und nützliche Vorbereitungen, welche ich getroffen habe, waren das Lesen eines Buches über die chinesische Kultur, das Sammeln von Informationen über meine Praxisstelle und das Auffrischen meiner Englischkenntnisse.


Ankunft

Am 19. Februar, zwölf Tage vor dem Praktikumsbeginn, kam ich abends am Hongkonger Flughafen an. Dort stieg ich in den „airport express“ Zug, der mich in das Zentrum Hongkongs beförderte. Während der Zugfahrt fielen mir sofort die zahlreichen, beeindruckend hohen Wohnhochhäuser ins Auge. Sogar Gebäude mit 20 Stockwerken wirken dort sehr klein, weil es massenhaft 40- bis 50-stöckige Häuser gibt. Das gegenwärtig höchste Wohnhaus Deutschlands mit einer Höhe von 147m stellt in Hongkong schätzungsweise nur die Durchschnittshöhe dar. Im Zentrum angekommen, verblüffte mich die enorme Größe des Bahnhofs. Um ein besseres Bild zu bekommen: Die längste Strecke zwischen zwei von vorhandenen 13 Ausgängen ist etwa 700m lang. Weil es schon spät abends war und ich mit meinem Gepäck nicht viel laufen wollte, nahm ich den nächstgelegenen Taxiausgang und ließ mich zu meinem Hotel fahren. Die erste Nacht übernachtete ich einem Hotel, da ich noch keine Unterkunft gefunden hatte. Für die etwa 10-minütige Achterbahnfahrt auf dreispurigen, aufwärts führenden Straßen, welche sich zwischen in allen Farben leuchteten Hochhäusern schlängeln, zahlte ich umgerechnet nicht einmal 3 Euro. Über den Preis war ich sehr positiv überrascht. Am nächsten Morgen ging ich zur Wohnungsvermittlung, welche mir zwei regional und preislich passende Unterkünfte anbieten konnte. Ich entschied mich für ein Zimmer in einer 4-Mann Wohngemeinschaft nahe meiner Arbeitsstelle. Der Mietpreis war auf 5000 HKD (etwa 500€) festgesetzt. Für ein 4qm Zimmer, in welchem gerade einmal ein Bett und ein kleiner Schrank reinpassen, ist der Preis sehr hoch, jedoch normal für Hongkong Verhältnisse. Die Lage war perfekt; meine Arbeitsstelle war nur 5 und das Zentrum 10 Fußminuten von meiner Unterkunft entfernt. Außerdem befanden sich hunderte von Restaurants in unmittelbarer Nähe.


Eindrücke von Hongkong

Da mein Praktikum erst am 3. März begann, hatte ich zehn Tage Zeit, kleine organisatorische Angelegenheiten zu erledigen und mich ein wenig einzuleben. In diesen Tagen war ich viel in Hongkong unterwegs und konnte viele neue Eindrücke gewinnen.

Auf den Straßen beeindruckten mich die hektisch bewegenden Menschenmassen. In der dicht besiedelten 8-Millionen-Einwohner-Metropole findet man sogar nachts nur selten eine menschenleere Straße. Fahrzeuge sind vor allem tagsüber auf Achse, doch eines der weltweit besten Nahverkehrssysteme sorgt dafür, dass der Verkehr weitgehend flüssig gehalten wird. Somit ist das Reisen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln sehr bequem und darüber hinaus preiswert. Eine Fahrt mit der Fähre zwischen Hongkong Island und dem Festland Kowloon, ebenso wie mit der doppelstöckigen, historischen Straßenbahn, kostet umgerechnet etwa nur 23 Cent. Darüber hinaus sind sie sehr beliebte Attraktionen, da man während deren Fahrten die grandiose Aussicht auf die Stadt genießen kann. U-Bahne und Busse kommen im Minutentakt und beinahe jedes Ziel innerhalb Hongkongs kann unter einer Stunde erreicht werden. Ist eine Auszeit vom hektischen Metropolenleben erwünscht, kann man in weniger als einer halben Stunde in die schöne Natur oder an einen Strand flüchten. Was viele nicht wissen: Mehr als 70 Prozent von Hongkong sind Grünflächen und fast die Hälfte davon Naturparks. Durch Gegensätze wie Wolkenkratzer neben fast unberührter Natur, Tempel neben exklusiven Shopping Malls, Restaurants der Spitzenklassen neben traditionellen Garküchen, hat die Metropole sehr viel zu bieten.

Es gab kaum ein Wochenende an dem ich nicht mit Freunden, entweder durch Berge wanderte, am Strand lag, an BBQ Partys teilnahm oder auf einer Yacht den Tag verbrachte. Abends ging es dann meistens wieder zurück in die Stadt, in das pulsierende Nachtleben Hongkongs. Hunderte Bars und etliche Nachtclubs lassen keine Langeweile aufkommen – egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit, sieben Tage die Woche. In den Vierteln „Lan Kwai Fong“ und „Wan Chai“ auf Hongkong Island sind „locals“ (Einheimische) sowie auch Expatriate anzutreffen. Da Englisch neben Kantonesisch und Mandarin eine offizielle Amtssprache in Hongkong ist, kann man sich meist gut mit locals unterhalten und leicht neue Kontakte knüpfen. Viele locals verbringen Abende gerne in Karaoke-Bars, wo neben dem Singen auch oft gegrillt wird. Einmal wurde ich zu einer Geburtstags-Karaoke-Party eingeladen, an welcher außer mir nur Hongkonger anwesend waren. Das war ein super Erlebnis. Sie waren alle erstaunlich freundlich und offen. Die Getränkepreise in Bars sind generell etwas höher als in Deutschland. Für ein Bier zahlt man in Bars in der Regel etwa 6€ und für einen Cocktail über 12€. Nach oben hin gibt es keine Grenzen. Das Essen in Hongkong dagegen war überraschend günstig. Für bereits unter 5€ bekommt man in vielen Restaurants eine ausreichende Portion serviert. Es gibt die volle Bandbreite der chinesischen Küche, aus allen Regionen Chinas. Darüber hinaus kann man aber auch indisch, vietnamesisch, koreanisch, singapurisch und europäisch essen. Die meisten asiatischen Mahlzeiten werden mit einer Portion Reis serviert und gegessen wird üblicherweise mit Essstäbchen. Ein typisches Gericht Hongkongs ist „Dim Sum“. Dabei handelt sich um in Bastkörbchen gedämpfte Teigtaschen gefüllt mit Shrimps, Schweinefleisch oder Gemüse.

Das Klima in Hongkong ist tropisch feucht und vom Monsun beeinflusst. Als ich Ende Februar eingereist bin, war es etwa 18 Grad mild. Bis zum Sommer stiegen die Temperaturen über 33 Grad an. Auch nachts blieb es heiß und feucht, weshalb Schlafen ohne Klimaanlage unvorstellbar war. Die Klimaanlage ist in Hongkong ein sehr beliebtes Gerät, welches meistens verwendet wird, Räumlichkeiten auf unter 20 Grad zu kühlen. In einzelnen Restaurants könnten es sogar 15 Grad gewesen sein. Ich habe es innerhalb meines halbjährigen Aufenthalts nicht geschafft mich an diese krassen Temperaturunterschiede zu gewöhnen. Mehrmals habe ich mir deshalb eine Erkältung zugezogen.


Das Praktikum

Bei dem im Jahr 2006 gegründete Unternehmen Skylab Mobilesystems Ltd. handelt es sich um eine Softwareschmiede, welches sich auf GIS-Softwarelösungen, im Besonderen auch für den mobilen Einsatz, spezialisiert. Während meines Praktikums arbeitete ich an einem Großprojekt mit dem Namen „Sky Drone FPV“ mit. FPV steht für „First Person View“. Wie der Name schon vermuten lässt, wird ein Produkt entwickelt, welches dem Besitzer ermöglicht, unbemannte Luftfahrzeuge aus der Ego-Perspektive zu steuern. Durch eine direkt auf die Drohne installierte Kamera können in Echtzeit Videoaufnahmen über das Mobilfunknetz zu mobilen Endgeräten gesendet werden. Sogenannte „Groundstations“ bilden die Benutzeroberfläche der Empfänger. Dort findet man das Live-Video der Übertragung und verschiedene Informationen, wie beispielsweise Höhe der Drohne oder die aktuelle Latenzzeit. Die Videoübertragung kann auch zusätzlich mit gesamter Benutzeroberfläche dreidimensional über eine sogenannte Oculus VR (virtual-reality) Brille betrachtet werden. „Sky Drone FPV” ist das weltweit erste und bisher einzige System für unbemannte Luftfahrzeuge, welches digital hochauflösende Videoübertragungen über ein Mobilfunknetzwerk senden kann. In den ersten vier Monaten entwickelte ich ein 3D Mapping Framework, welches mithilfe des neuen OGC GeoPackage Formats Raster und Vektordaten darstellen soll. In den letzten zwei Monaten arbeitete ich an einem Dekodierer. Dieser wird benötigt, um von Drohnen enkodierte und gesendete Bilddaten zu dekodieren und sie anschließend auf der „Groundstation“ darzustellen. Beide Aufgaben waren sehr anspruchsvoll. Aus diesem Grund habe ich mir in dem halben Jahr sehr viel neues und wertvolles Wissen angeeignet. Das Arbeiten im Team machte mir sehr viel Spaß. Auch das Arbeitsklima war sehr gut; das komplette Team war sehr locker und freundlich. Wir verstanden uns alle untereinander sehr gut und wir verbrachten auch zumeist die Mittagspause zusammen. Gearbeitet wurde von Montag bis Freitag. Dabei konnten die Arbeitszeiten absolut flexibel gestaltet werden; sie waren lediglich auf acht Stunden am Tag festgesetzt. In Hongkong beginnt ein Arbeitstag gewöhnlich später als in Deutschland.


Fazit

Es war eine sehr gute Entscheidung, dass Praktikum in Hongkong zu absolvieren. In diesem halben Jahr habe ich sehr viel erlebt und die Zeit bleibt unvergesslich. Die Erfahrungen, die ich in diesem halben Jahr gemacht habe sind einmalig. Dazu gehören neben dem Erlernten während des Praktikums vor allem auch die gemachten Erfahrungen außerhalb des Büros – reisen, kennenlernen von Hongkongern, deren Kultur und Menschen aus allen Ländern der Erde. Die Stadt mit den vielen Gegensätzen hat so viel zu bieten, dass man nach dem Einleben sich an das Leben gewöhnt und man gar nicht mehr weg will. Das Essen, das Klima, das Großstadtleben, das freundliche Volk und die schöne Natur sind einige von vielen Gründen, weshalb ich mir sehr gut vorstellen kann, nach meinem Studium in Hongkong zu leben und zu arbeiten. Folglich bin ich sehr stolz, dass ich diese einmalige Gelegenheit, ein Praktikum im Ausland zu absolvieren, genutzt habe und würde es auch jeden weiterempfehlen. Wer dazu noch Herausforderungen liebt, für den sollte meine Praxisstelle das Richtige sein.

Zu guter Letzt möchte ich mich bei der DVW für die finanzielle Unterstützung bedanken!

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